Datum: 20.04.19 14:17
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Die Frauen von Salaga. Roman von Ayesha Harruna Attah

Aminah träumt davon, wie ihr Vater Schuhe herzustellen. In ihrem Dorf Botu sind Frauen für das Wohlergehen der Familie zuständig. Deshalb verschiebt sie ihre Überlegungen immer wieder.

Wurche, die Tochter eines Gonja-Königs, gewinnt jedes Reitturnier in Salaga. Sie schießt besser als ihre Brüder und interessiert sich für die politischen Geschicke ihres Vaters.

Im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert ist Salaga eine wichtige Handelsstadt. Kolanüsse und der Sklavenhandel haben die Stadt reich gemacht. Karawanen ziehen vom Süden, durch das Reich der Ashanti in den Norden nach Salaga, um Geschäfte zu machen. Aber auch die Briten und die Deutschen versuchen im Gebiet des heutigen Ghana ihre Allianzen zu schmieden.

Vor diesem historischen Hintergrund erzählt Ayesha Harruna Attah ihre Geschichte über Liebe, Verrat und Freiheit. Eine der beiden Frauen ist ihre Ururgroßmutter. Der Autorin gelingt es die Charaktere, ihre Familienkonstellationen und ihre inneren Konflikte mit der Landschaft und Umgebung von Salaga in Verbindung zu bringen.  Stilistisch lässt der Perspektivenwechsel der Protagonistinnen den jeweiligen Kosmos von Kapitel zu Kapitel wachsen. So entsteht eine dichte Atmosphäre, in der Wurche und Aminah den Raum für ihre Entwicklung und ihre Gedanken bekommen.

Ihre ummittelbare Umgebung gestattet wenig Zeit für Träume. Aminahs Dorf wird überfallen, sie wird als Sklavin verkauft. Wurche wird von ihrem Vater in eine Ehe gedrängt, deren Verbindung für ihn vorteilhaft ist. Im ausgehenden 19. Jahrhundert verändert sich die ganze Welt. Wie sich der große historische Prozess im Kleinen darstellen lässt, darin ist Ayesha Harruna Attah eine Meisterin. Wenn auf dem Markt von Salaga keine Kolanüsse mehr gehandelt werden, wird eine Kette von Ereignissen ausgelöst, die allesamt unter der Metapher von großem Unglück firmieren. In einem solchen Moment führt die Autorin die Geschichten von Aminah und Wurche zusammen. Wurche kauft Aminah auf dem Markt in Salaga.

Es ist kein Zufall. Wurche handelt aus Kalkül, denn nicht nur das Herrschaftsverhältnis verbindet die beiden.

„Wirklich in Sicherheit ist man nirgendwo“, sagt Aminahs Vater zu Beginn des Romans zu ihr. Dieser Satz klingt nach. Und auf geheimnisvolle Weise beschützen sich Aminah und Wurche am Ende doch.

 

Die Frauen von Salaga. Roman von Ayesha Harruna Attah. Aus dem Englischen von Christiane Burkhardt. Diana Verlag 2019. ISBN: 978-3-453-29219-2







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