Datum: 31.05.19 20:03
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Farbenblind. Geschichten aus Südafrika von Trevor Noah

Karl Blessing Verlag

Ein aufgeweckter kleiner Junge geht mit seiner Mutter einkaufen. Er bittet und bettelt um einen karamellisierten Apfel. Kurz vor der Kasse erlaubt ihm seine Mutter das verheißungsvolle Glück. Voller Stolz legt er ihn zu den anderen Waren. Der Mann an der Kasse tadelt ihn. Er erkennt keine Ähnlichkeit zwischen Mutter und Sohn. Und die Frau, die seine Mutter ist, behauptet auch, nicht seine Mutter zu sein. Eine von insgesamt achtzehn Geschichten beginnt so.

Der 1984 geborene südafrikanische Comedian Trevor Noah erzählt sein bisheriges Leben mit Humor und schonungsloser Offenheit. „Born in Crime“ heißen die autobiographischen Geschichten im Original. „Farbenblind“ lautet der deutschsprachige Titel.   Als Kind einer Xhosa und eines Schweizers ist seine Geburt nach den Gesetzen Südafrikas ein Verbrechen. In seinem Geburtsjahr war nicht abzusehen, dass die Apartheid jemals zu Ende gehen könnte. Dass seine Mutter ihn zu seinem Schutz verleugnet, manchmal auch unverhältnismäßig bestraft, veranschaulicht die fatalen Auswirkungen dieses grausamen Systems. Andererseits verschafft ihm seine Hautfarbe auch Vorteile. So betrachtet sind sowohl der englischsprachige als auch der deutschsprachige Titel Facetten einer außergewöhnlichen Geschichte.

Wie aus dem kleinen Jungen, der süße Äpfel liebt, einer der bekanntesten Comedians und der Moderator der US-amerikanischen Satiresendung The Daily Show wird, lässt nicht nur die Lesenden staunend zurück. Sein Vater Robert, zu dem er nicht immer Kontakt hat, verfolgt seine Karriere von Beginn an. Jeden Zeitungsausschnitt klebt er in ein Heft und wird es bei einer späteren Begegnung seinem Sohn zeigen.

Trevor Noah meint, er schulde seinen Erfolg seinen Fähigkeiten als Chamäleon. Scheinbar mühelos hat er sieben Sprachen gelernt. Er schildert zahlreiche Situationen, in denen ihm diese Sprachkenntnisse einen Vorteil verschafft haben. Sprache betrachtet der Autor als Mittel, um Menschen zu überzeugen, dass Rassismus und Vorurteile konstruiert sind. Seine Mutter mit ihrem unbeugsamen Willen hat diese Theorie praktiziert.

Patricia Noah war in vielen Dingen eine Rebellin. Lange bevor es für schwarze Frauen in Südafrika üblich wird, andere Berufe als Hausmädchen auszuüben, gelingt es ihr, eine Arbeitsstelle als Sekretärin zu finden. Nicht einmal ein Mordanschlag des Stiefvaters von Trevor Noah kann sie in ihrer Unbeugsamkeit erschüttern.

Sie zeigt ihrem Sohn, was möglich ist. Nicht umsonst ist ihr dieses Buch gewidmet.  

  Farbenblind. Trevor Noah, aus dem Englischen von Heike Schlatterer, Karl Blessing Verlag 2017, ISBN: 978-3-89667-590-3







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