Datum: 22.05.09 18:23
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Buchrezension: "Best of Paul Lendvai"

Paul Lendvai, der Mann mit dem wohl temperierten Namen, ist die personifizierte Stimme von weltpolitischen Kommentaren in den österreichischen Medien. Als beständiger Chronist der so genannten Weltereignisse ist er selbst jenen, die sich nicht für politische Ereignisse interessieren, ein Begriff.  

1957 kam der in Budapest geborene Journalist nach Wien. Zwei Jahre später wurde er österreichischer Staatsbürger. Die gesammelten Essays, Kommentare und Vorträge, die den nonchalanten Titel „Best of Paul Lendvai“ tragen, sind eine Sammlung von Gedanken eines aufmerksamen Beobachters von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Eine der zentralen Fragen, die den Autor beschäftigen, formuliert er bereits im Vorwort des Buches: „Angesichts der turbulenten und oft besorgniserregenden Geschehnisse in der Welt frage ich mich immer wieder, wie es zu dem verzerrten Bild des Anderen, des Fremden, des Nachbarn in den Vorstellungen so vieler Österreicher und Mitteleuropäer kommen kann.“  

Ausgrenzung, Klischees und Vorurteile thematisiert Paul Lendvai in diesem Buch auf unterschiedlicher Ebene und in differenzierter Form. So ist er auch einer der wenigen Journalisten, die von den Übergriffen auf afrikanische Studenten im Russland von Wladimir Putin berichten. Rassistische Gewalt gegen sichtbar Fremde ist kein russisches Phänomen. Die Berichterstattung darüber scheint ein Tabu zu sein – nicht nur im Osten, in den westlichen Medien werden diese Informationen kurz und prägnant wie Klappentexte gestaltet. 

Ein Blick hinter die Kulissen der Weltordnung - ob nun die „alte“ oder „neue“ – zeigt einen Journalisten, der sich nicht scheut, Fragen zu stellen und der plausibel scheinenden Antworten misstraut. So kann es vorkommen, dass seine Analysen zum letzten US-amerikanischen Wahlkampf, die Bestellung von Botschaftern in der Bush-Ära mit einbeziehen. Er scheut sich nicht, weit auszuholen, und spart die Auswirkungen von politischen Entscheidungen in der westlichen Hemisphäre auf den Kontinent Afrika nicht aus.

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Paul Lendvai. Best of Paul Lendvai. Begegnungen, Erinnerungen, Einsichten.Salzburg, Ecowin Verlag, 2008, ISBN: 978-3-902404-66-4.







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