Kategorie: Kultur-Literatur

Sefi Atta (c)Peter Hammer Verlag

Buchcover
Lagos/Nigeria, 1971. Die elfjährige Enitan wirft einen Blick über den elterlichen Gartenzaun und entdeckt Sheri. Mit dem Beginn einer vor den Eltern verheimlichten Mädchenfreundschaft setzt die Autorin Sefi Atta zu einem mehr als dreißig Jahre umspannenden Epos über die wechselvolle Geschichte Nigerias seit der Unabhängigkeit an.
Die Metapher des „über den Zaun Blickens“ bildet den Ausgangspunkt, der die komplexen Handlungsstränge zusammenhält. Die 1964 in Lagos geborene Schriftstellerin entwirft die unterschiedlichen Lebensentwürfe der beiden Protagonistinnen Enitan und Sheri mit viel Gespür für dramatische Wendungen. Sefi Attas Dialoge sind süß wie gebratene Kochbananen und bitter wie die Kola-Nuss. Sigrid Groß hat den Roman für den Peter Hammer Verlag übersetzt. Ihr ist zu verdanken, dass die vielen Zwischentöne in Sefi Attas Debüt auch im deutschen Sprachraum erklingen.
Die unternehmungslustige und vorwitzige Sheri lebt in einem polygynen Haushalt. Das behütete Einzelkind Enitan taucht in diese geschäftige Welt ein und bewundert Sheri für ihre Lebenslust. Ein verhängnisvoller Sommer beendet ihre Freundschaft abrupt.
Als Erwachsene begegnen sie sich wieder. Enitan ist in Großbritannien wie ihr Vater zur Anwältin ausgebildet worden, während Sheri, die ehemalige Miss Nigeria, ihr Leben rund um einen „Sugar-Daddy“ organisiert hat.
Den überwiegenden Teil der Handlung siedelt die Autorin in der Metropole Lagos an.
Sefi Atta liefert mit viel Sinn für Ironie und Humor minutiöse Beschreibungen der Bewältigung des Alltags. Wenn sich etwa die beruflich erfolgreiche Protagonistin Enitan mit der Lebensmittelbeschaffung für ihren Ehemann auseinandersetzen muss oder ihr relativ unpolitischer Vater als Menschenrechtsaktivist verhaftet wird. Ihre Mutter zieht sich in die vordergründig beschauliche Welt einer Sekte zurück. Sheri gründet mit den beiden Ehefrauen ihres Vaters ein Party-Service, um das Auskommen der Großfamilie zu sichern.
Historische Zäsuren, wie etwa die Hinrichtung des Schriftstellers Ken Saro Wiwa, verankern die fiktionale Welt in der realen und zeigen auf, wie die Mehrheit der Bevölkerung mit den zunehmenden Repressionen aufeinander folgender Militärdiktaturen zu kämpfen hatte. Die politische Dimension dieses Romans sprengt die Grenzen des Mikrokosmos Nigeria. Unterdrückung, Gewalt und Betrug führen zu beschädigten Gesellschaften, sie eröffnen aber auch den Reigen für die vielfältigen Formen des Widerstands.
Alles wird gut, am Ende. Jenseits der Hügel von Hollywood gibt es so etwas wie ein glückliches Ende, eines das von der Selbstbestimmung und der möglichen Solidarität von Menschen handelt.
Der Originaltitel, „Everything good will come“, 2004 in den USA erschienen, wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Wole Soyinka Prize for African Literature.
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Sefi Atta, Sag allen, es wird gut. Peter Hammer Verlag, 2008, ISBN 978-3-7795-0199-2 , 20,50 EUR



