Kategorie: Kultur-Literatur

Buchcover
Rezension: Neue österreichische Lyrik – und kein Wort Deutsch
Vor beinahe zwanzig Jahren, 1990, erschien im Haymon Verlag eine Lyrik-Anthologie. Gedichte in jiddisch, jenisch, slowenisch, kroatisch, ungarisch, Romanes von österreichischen AutorInnen, die laut offizieller Definition den österreichischen Minderheiten angehörten.
Der Herausgeber der Anthologie, Gerald Kurdoğlu Nitsche, hat seine Idee in einer Neuausgabe erweitert. AutorInnen mit Migrationshintergrund ergänzen das Mosaik eines vielsprachigen Österreich.
Die Biographien der LyrikerInnen zeigen, dass zahlreiche AutorInnen bereits in ihrem Herkunftsland künstlerisch tätig waren, viele die Dichtung in der Muttersprache als Überwindung einer gefühlten und erlebten Fremde in Österreich entdeckt haben.
Heimat, Liebe, Leben und Beistrich sind die vier Themenbereiche, die der Herausgeber den Gedichten vorangestellt hat. Die umfangreiche Sammlung ist sorgfältig ediert. Klingende Namen wie Ceija Stojka, Lena Rothstein, Wadi Obeadi finden sich neben in der Öffentlichkeit weniger bekannten AutorInnen. Gemeinsam bilden sie einen vielsprachigen Chor, der als eine hoffnungsvolle Gegenstimme zu den provinziell anmutenden Forderungen nach Einsprachigkeit interpretiert werden kann.
Die renommierten Autoren Chibo Onyeji und Tarek Eltayeb repräsentieren die in Österreich lebenden afrikanischen SchriftstellerInnen. Chibo Onyeji, geboren im Südosten Nigerias, schreibt seine Gedichte in Igbo. Tarek Eltayeb, geboren als Sohn sudanesischer Eltern in Kairo, schreibt in Arabisch. Eindringliche Bilder von „Brotfruchtbäumen im Regen“, „Palmweinzapfern“ und einem „zahnlosen Meer“ zeugen nicht nur von der sprachlichen Virtuosität der beiden Autoren, sie zeigen, welche Bereicherung Multilingualität für die österreichische Literaturszene ist.
Insgesamt 130 AutorInnen, 32 Sprachen, 7 Schriften machen dieses Buch zu einem unvergleichlichen Leseerlebnis.
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Gerald Nitsche (Hrsg.), Neue österreichische Lyrik und kein Wort Deutsch. Haymon Verlag, 2008, ISBN: 978-3-85218-571-2, 354 Seiten, Euro 24,90



