Datum: 18.12.09 11:57
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Andreas Kliem - Die Kongoverbrechen 

„Ohne Gerechtigkeit gibt es keine Würde, und ohne Unabhängigkeit keine freien Menschen.“ Dieses Zitat von Patrice Lumumba hat der Autor der umfassenden Studie zur Situation in der Demokratischen Republik Kongo vorangestellt.

Die Arroganz und Ignoranz der kolonialen sowie der neokolonialen Machthaber demaskiert Andreas Kliem allein durch die ausführliche Dokumentation der historischen Fakten: die Zerstörung von intakten Königreichen an den Ufern des Kongo durch den Sklavenhandel bis zum Terrorregime eines König Leopolds I., von der Unabhängigkeit bis zur Ermordung Patrice Lumumbas, vom Größenwahn eines Mobutu bis zu den gegenwärtigen Geschäften mit den Ressourcen des Landes. Die sorgsame Recherche ergibt eine beschämende Sammlung der Praxis der Ausbeutung und des damit einhergehenden Zynismus im Umgang mit der Bevölkerung.

Dass dieses Buch nicht nur eine Aneinanderreihung von Grauen ist, ist der reflektierten Grundhaltung des Autors zu verdanken. Thesen und Hypothesen über die verschlungenen Wege des Finanzkapitals als auch die Interessen von internationalen Konzernen lassen ein Gesamtbild einer gewachsenen kriminellen Ökonomie entstehen, das in einem gigantischen Informationsdefizit der Öffentlichkeit kulminiert. Wer denkt in der westlichen Welt während eines simplen Telefonats schon an den Kongo? Die reichen Coltan-Vorkommen enthalten das Metallerz Tantal, das wiederum Bestandteil von Mobiltelefonen, Computerchips oder Videokameras ist. Wie viele Gesichter die imaginierte Globalisierung hat, zeigt Andreas Kliem exemplarisch für den gesamten Kontinent am Beispiel des Kongo auf.

Der von seinem Volumen her zweit größte Fluss der Erde enthält von seinem Energienutzen her 41 % der gesamten Wasserkraftkapazität Afrikas. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Ideen zur Nutzung und zum Export von Energie aus dem Kongo auch umgesetzt werden. Die Pläne für ein Staudammprojekt, das den Namen „Grand Inga“ trägt, liegen bereit.

Ambitionen wie diese gibt es auch für die „optimale“ Nutzung der Waldgebiete des Kongobeckens. Unter maßgeblicher Beteiligung der Weltbank werden die Waldgebiete mittels Satellitenbildern kartiert und in der Folge vergibt die Regierung Lizenzen für die Holzgewinnung.

Es ist kein Zufall, dass die Veröffentlichung dieses Buches, von der Bürger- und Menschenrechtsorganisation „Business Crime Control“ unterstützt wurde.  Die Auswirkungen dieser Zukunftsvisionen auf die Bevölkerung werden enorm sein und von der Hoffnung Patrice Lumumbas nach Gerechtigkeit und Würde weit entfernt. 

Andreas Kliem, Die Kongoverbrechen: Geschichte und Allgegenwart räuberischer Ausbeutungspraxis, Nomen Verlag 2009, ISBN: 978-3-939816-01-0 

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Web: businesscrime.de 


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