Kategorie: Kultur-Literatur

Wenn er von seinen Reisen erzählt, dann entstehen bei den Zuhörenden sofort Bilder von entfernten Landschaften und kuriosen Begegnungen. In vier Sprachen zu Hause, bringt er von jeder Reise neue Worte mit, zu jedem Wort weiß er eine Geschichte zu erzählen.
Er erinnert sich an Details, die andere als Belanglosigkeiten einstufen. Dieses andere Sehen hat er viele Jahre perfektioniert.
Nach Kaffee und frischem Gebäck roch es an jenem Morgen im Büro von Bruno Kreisky, als dieser ihn empfing. Nein, kein Staatsbesuch, es war der Wunsch eines jungen Mannes, Arbeit zu finden. Mutig griff er zum Telefonhörer und war dann doch erstaunt, dass der Kanzler persönlich abhob und ihn einlud. Erst wenige Monate zuvor, im Dezember 1979 promovierte er an der Universität Wien. Zahlreiche Medien widmeten ihm Artikel, ein blinder Afrikaner, der ein Studium abgeschlossen hatte, erregte Aufmerksamkeit.
Weniger Aufmerksamkeit bekam er bei der Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle. So manche Ausflüchte von Unternehmen bringen ihn heute noch zum Schmunzeln. Es gäbe niemanden, der ihn zur Toilette begleiten könne. Manche Unternehmer sorgten sich auch um seine Sicherheit auf dem Weg von und zur Arbeitsstelle. Es war Bruno Kreisky, der dem Akademiker riet, sich doch bei den United Nations zu bewerben.
In der ersten Episode des Buches beschreibt der Autor seine fünfundzwanzigjährige Tätigkeit in dieser internationalen Organisation. Hier wurde seine Behinderung als eine Bereicherung gesehen und seine Arbeit war international geschätzt.
Die Diagnose, dass er nie wieder sehen wird, wurde in Wien gestellt. 1969 wurden acht verwundete Soldaten aus Nigeria nach Österreich ausgeflogen. Bilder vom Biafra-Krieg gingen um die Welt, während Smart Eze in einem Wiener Krankenhaus beschloss, niemals aufzugeben.
Bildung, eine Berufsausbildung, die ihn erfüllen würde, diese Ziele verfolgte er bereits in Nigeria. Durch den Krieg verzögerten sich diese Ambitionen. Die Schilderung seiner Jugend und Kindheit im Südosten Nigerias ist geprägt von den sprachlichen Nuancen eines Reflektierenden. Mit viel Gespür versetzt er die Lesenden in eine Zeit, als seine Träume noch weit weg schienen. Er zeichnet ein berührendes Bild seines Vaters, der ihm seine Ausbildung nicht finanzieren kann.
Erst Jahre später in einer neu erlebten Welt erreicht Smart Eze sein Ziel. Er gründet eine Familie und sein Wille und nicht zuletzt sein Charme beeindrucken die Familienmitglieder seiner Frau.
Zahlreiche Anekdoten aus dem Alltag bereichern dieses Buch und machen es zu einer Chronik der politischen und historischen Entwicklungen zwischen den Welten.
„Retired, but not tired“, sagt er sich am Ende seine Karriere in der UN. Er reist weiterhin durch die Welten, als ehrenamtlicher Botschafter von „Licht für die Welt“ hält er Vorträge an Schulen und auf Konferenzen. Der Gedanke, seine Geschichte aufzuschreiben, ist durch die Workshops mit Jugendlichen und Kindern gewachsen. Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen, schreibt der Autor im Epilog. Smart Eze hat eine bemerkenswerte Geschichte.
Smart Eze „My Four Worlds“, Author House UK Ltd, 2010, ISBN: 978-1-4520-5077-5



