Datum: 27.03.10 16:03
Kategorie: Kultur-Tanz

Von: Clara Akinyosoye

Maracatu - Eine neue Form des brasilianischen Musikstils in Österreich

Luciano Ciranda - Ein Kulturpionier in Österreich (c) Ilona Antal

Die Tanzgruppe im Wiener Wuk (c)I.Antal

Er brachte den brasilianischen Musikstil "Maracatu" in die österreichische Hauptstadt. Luciano Ciranda aus Refice gibt seit Kurzem Workshops in Wien. 

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Eine junge Frau sucht aufgeregt nach dem Eingang. Wo denn nur der Weg dahinauf ist, fragt sie und zeigt auf das offene Fenster zu dem Raum im sehr hoch gelegenem ersten Stock, der zweifelsohne die Quelle der Trommelmusik ist und wo eine andere junge Dame mit Dreadlocks am Fensterbett lehnt. „Ich würd am liebsten da rauf springen“, sagt sie. Das muss sie dann allerdings nicht- ihr wird an diesem sonnigen Samstagmorgen schließlich doch noch der Weg zum Maracatu Workshop gewiesen.

Maracatu ist ein Musikstil, der aus Pernambuco, im Norden Brasiliens kommt. Maracatu findet seinen Ursprung in afrikanischen Musikformen und ist eine Kombination aus Tanz, Gesang und Trommelmusik. Besonders im Karneval spielen in Recifes (Hauptstadt von Pernambuco) Straßen Maracatugruppen auf. Dieser Musikstil ist in Europa nicht sehr bekannt, doch in Wien setzt sich ein Mann dafür ein diese Tatsache zu verändern. Luciano Ciranda hat es sich zur Aufgabe gemacht „ein Stückchen afrobrasilianische Kultur zu pflegen und zu bewahren“. Also gibt er kurzerhand im WUK (Werkstätten- und Kulturhaus) einen Maracatuworkshop, der nicht unbemerkt bleibt. Denn die Trommelmusik hat es in sich. Sie hallt durch gesamte Gänge und den ganzen Innenhof des WUKs.

Der Körper als Instrument

Alle stehen im Kreis und halten sich an der Hand. Das Aufwärmtraining beginnt. Ciranda spricht nicht viel Deutsch, dafür umso besser Portugiesisch. Seine Anweisungen übersetzt eine brasilianische Teilnehmerin und alte Bekannte ins Deutsche. Ciranda erzählt während der Übungen immer wieder Geschichten vom brasilianischen Volk, von Musik und Geschichte. Ob er die Geschichten spricht oder singt kann man nicht genau bestimmen. Rhythmisch klingt es auf jeden Fall. Vor allem wenn er den Klang von Musikinstrumenten imitiert – das müssen die Schüler dann auch - ist Rhythmik im Spiel. Wenn die Gruppe gemeinsam allein mit Körpereinsatz ein Percussionsorchester imitiert,  könnte man fast vergessen, dass im Grunde noch keine Instrumente in Verwendung sind. Die tatsächlichen Instrumente - viele verschieden Trommeln - kommen erst später dazu. „Jeder lernt, seinen Körper zu fühlen und ihn musikalisch, rhythmisch einzusetzen. Das Instrument ist eigentlich nur eine Verlängerung des eigentlichen Instrumentes. Das Instrument ist unser Körper - mit ihm spielen wir, tanzen wir“, so Ciranda.

Die Gruppe die sich hier zum ersten Workshop trifft besteht teilweise aus für Ciranda alt bekannten Gesichtern und neuen Interessierten. Das Ziel ist eine professionelle Gruppe auszubilden und immer wieder neue Schüler zu gewinnen. Aus den rund fünfzehn Kursteilnehmern will Luciano Ciranda eine Einheit machen. Gesagt und getan. Schon nach kurzer Zeit sieht es so aus, als ob die einzelnen Individuen unter seiner Leitung und mit ihm zu einem Ganzen verschmelzen würden. Es kommen immer wieder neue Teilnehmer dazu. „Ich wollte warten, aber wir sind in Europa. Da muss man pünktlich anfangen“, kommentiert der Kursleiter lachend das rege Kommen.

Luciano Ciranda ist seit seiner Kindheit in die Afro- brasilianische Kultur involviert. Er tanzt schon sein Leben lang. Zuerst in seiner Heimatstadt Refice, später in Rio de Janeiro. Mit  seiner Tanzgruppe tourt er durch viele Städte, wo er in Parati seine Frau und Mutter seines Sohnes, Michaela kennenlernt, die dort urlaubt.

Erst als seine Frau schwanger ist, beschließen sie Wien als ihren Lebensmittelpunkt zu wählen. In Wien angekommen war für Ciranda das Eine ganz klar, erzählt seine Frau. Er wollte wieder mit Maracatu arbeiten.  „Er steckt viel Energie hinein“. Sein Leben bestehe zu „ 50 Prozent aus Maracatu und 50 Prozent aus seinem Sohn“, sagt Michaela lachend. „Maracatu ist wichtig für Europa und unsere Gesellschaft“, meint Ciranda, „um das Gefühl der Gemeinschaft auf eine besondere Weise zu erfahren. Es ist wichtig, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden und somit auf den anderen Menschen aufmerksam zu werden und ihm zuzuhören. Es ist ein Miteinander.“

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Für Interessierte gibt es mehrere Möglichkeiten einen Marakatuworkshop zu besuchen.

Die nächsten Termine im WUK: 
Sa, 3.4.: 17:00 - 20:00 
Sa, 10.4.: 17:00 - 20:00 
je €20,-

Währinger Straße 59, 1090 Wien

Café DERWISCH  
jeden Mittwoch von 20:00 - 22:00 ab 14.4. 
je €15,-

Lerchenfeldergürtel 29 , 1160 Wien 
 
Nähere Infos unter: ciranda_recife(at)yahoo.com.br 

 







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