Datum: 19.03.07 09:21
Kategorie: Medien-Radio

Von: simon INOU

Radio Afrika ist 10: Warum sollen wir feiern?

Vor zehn Jahren begannen zwei ehemalige Studenten vom Institut für Publizistik der Universität Wien, Alexis Neuberg aus Ruanda und Samuel Ogbona aus Nigeria, mit dem Projekt Radio Afrika. Ohne Mitteln wollten beide zeigen, dass es möglich war, Afrika in der Berichterstattung anders darzustellen. Rund um diese beiden machten viele Studenten ihre ersten Erfahrungen im Radio Bereich. Darunter die heutige beliebte Moderatorin von FM4 Claudia Unterweger sowie der Autor dieser Zeilen....

Pionier im Radiobereich

Radio Afrika war jene Initiative, die es möglich machte, dass Menschen afrikanischer Herkunft Zugang zum ORF haben. Aber nicht nur sie, sondern darüber hinaus auch viele Österreicher, denen es bis dahin nicht gelungen war, in den ORF zu gelangen.

Als ich im Jahre 1998 zu Radio Afrika kam, hatte das Radio seine Büros im 16. Wiener Gemeinedebezirk. Die bekannte Lorenz-Mandl-gasse 33. Damals ein kleines Zimmer von 15 Quadratmetern, voller Magnetbänder und viel Papier sowie ein paar Tischen. Das besondere daran war, dass dieser Raum viel zu klein war für alle, die mit viel Enthusiasmus damals Radio machen wollten. Die Leiter von Radio Afrika bildeten junge Journalisten aus, nicht nur eigene Sendungen zu produzieren sondern auch die B-A BA des Radio zu verstehen. Sprechtechniken, Technik, Moderation und das alles in einer coolen Atmosphäre. Dort hatte man den Eindruck, jeder konnte Radio machen....wirklich jeder. Ich erinnere mich an meine erste Radiosendung. Meine Stimme damals war furchtbar. Kommend aus der Welt des Printmediums war ich nicht daran gewönht, meine Stimme zu hören. Damals half mir Alexis, meine erste Sendung zu produzieren. Sie hiess "Gegen das Vergessen". Ein Program von 30 Minuten über die Persönlichkeiten, die Afrika weltweit getragen haben und mutig genug waren, sich gegen koloniale Herrschaft zu wehren. Ich machte Sendungen über Miriam Makeba, Louis Armstrong, Patrice Lumumba, Um Nyobe usw....

Gross war meine Freude Radio zu machen. Ich versuchte Reportagen auch zu machen und 1999 startete ich eine Live Sendung in den ORF Studios. Diese Sendung war für mich und uns die Möglichkeit, Persönlichkeiten aus der Politik, Wirtschaft, Gesellschaft Kunst und Kultur in das Studio einzuladen und mit Ihnen 30 Minuten zu debattieren. Damals lernte ich den ersten schwarzen Polizisten Wiens kennen. Gertrude Brinek kam ins Studio und antworte auf unsere Fragen....Diese Zeit war eine spannende Zeit. Gleichzeitig kamen immer mehr Freiwillige ins Boat. Wir freuten uns Radio zu gestalten. Es war einfach spannend, in einer Redaktion mit mehr als 20 Personen über verschiedene Sujets betreffend Afrika zu diskutieren. Die einen sahen, dass wir zu streng waren wenn es um Informationen über Afrika geht, die anderen wollten etwas neues lernen und Afrika aus der eigenen Perspektiven von Afrikanern lernen.

Pionier im Printbereich: Die Print Beilage der Wiener Zeitung

Ich kam vom Printmedieum und habe Alexis, damals Leiter von Radio Afrika, gefragt, ob es nicht möglich wäre, eine Print Version von Radio Afrika zu produzieren. "Simon bleibe cool. Ich versuche es bei den großen österreichischen Zeitungen" antworte er. Ohne finanzielle Mittel schaffte Alexis den Jackpot: Die Wiener Zeitung hatte uns die Möglichkeit gegeben, eine monatliche Afrika Beilage zu produzieren. Was für viele damals in der Entwicklungszusammenarbeitszene nicht gern gesehen war. Ich leitete diesen Teil von Radio Afrika. Mein erster Schritt war unabhängig sein von Nachrichten Agenturen, die über 90% der Berichterstattung über Afrika bestimmmen. Wir bauten damals ein Netz von Korrespondenten  in ganz Afrika auf, die bereit waren, vor Ort über Afrika zu berichten.

In Österreich hatten wir höhere StudentInnen vom Dolmetschinstitut geholt, die die Texte auf Deutsch übersetzten. Ich erinnere mich, dass wir im ganzen deutschsprachigen Raum die ersten waren, die das erste Interview von Kabilas Sohn, nach dem sein Vater ermordet worden war, publizierten. Wir waren die Ersten, die einen Journalisten in Côte d´Ivoire in der Krisenregion hatten. Wir waren die Ersten, die angefangen hatten, intensiv über Menschen afrikanischer Herkunft hier in Österreich zu berichten. Die Beilage der Wiener Zeitung mutierte in eine integrierte Seite, die bis April 2005 erschien. In der Wiener Zeitung öffneten wir sogar Wege für österreichische Journalisten, die niemals in so eine Redaktion gekommen wären. Dort haben viele begonnen zu publizieren nachdem wir in der Wiener Zeitung diese Pionierarbeit geleistet haben. Was die Stärke von Radio Afrika war: Eine Wortfreiheit, die im österreichischen Journalismus bis dahin noch selten zu lesen war.

Warum sollen wir Radio Afrika feiern?

In unseren Traditionen wird selten die gute Leistung gefeiert. Wir Afrikaner sind daran gewöhnt, nur das Schlechte zu sehen. Es ist Zeit anzufangen uns zu schätzen. Wie Femi Kuti mir in einem Interview sagte: "My brother, we africans should start to appreciate ourselves".  Radio Afrika ist die erste und älteste Medieninitiative betreffend Afrika und seine Menschen in Österreich. Radio Afrika hat Pionierarbeit auf  vielen Feldern geleistet. Ob wir es wollen oder nicht, ist diese Initiative diejenige die allenanderen einen Impuls gegeben hat. Obwohl die finanziellen Schwierigkeiten sowie Barrieren auf jeder Ebene zu überwinden waren, hat die Leitung es geschafft, Radio Afrika in nur 10 Jahren als eine unumgängliche Institution zu etablieren. Alles "nur" mit Ehrenamtlichen Arbeit....Bravo.

Fortsetzung folgt..........

Radio Afrika zu sehen

Am 25. November 2005 startete Radio Afrika auf OKTO - www.okto.tv - die Sendung Radio Afrika TV. Das ist die neue Herausforderung der nächsten Jahren.

RADIO AFRIKA







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