Datum: 18.11.08 11:54
Kategorie: Medien-Internet

Von: BROTHERS KEEPERS

Obamas Hautfarbe in den Medien vor und nach den Wahlen

YES WE CAN...UND NOCH WAS

Barack Obama ist der erste Schwarze Präsident der USA - rund 45 Jahre nach dem Beginn der Bürgerrechtsbewegung in den Staaten scheint es geschafft: Eine Schwarze Familie zieht ins Weiße Haus ein. Auch die deutschen Medien überschlagen sich förmlich in ihrer Berichterstattung, leider nicht ohne Verfehlungen. Anlass genug, um von unserer Seite auf einige Aspekte hinzuweisen:

1. Bereits im Vorfeld der Wahl war immer wieder vom “farbigen” Präsidentschaftskandidaten Obama die Rede. Deshalb nochmals für alle: ES GIBT KEINE FARBIGEN! Farbig ist ein Euphemismus, eine vermeintliche Verschönerung von “Schwarz”. Denn genauso wenig wie Weiße Menschen tatsächlich weiß sind (sondern eher rosa), sind Schwarze Menschen tatsächlich schwarz. “Schwarz” und “Weiß” sind politische Begriffe, die auf gesellschaftliche Handlungsweisen und soziale Konstruktionen hinweisen. Wir werden nicht als Schwarze und Weiße Menschen geboren, sondern im Laufe unseres Lebens dazu gemacht - und zwar im Kontext rassistischer Praxen. Entsprechend gibt es Farbige genauso wenig wie grün-lila gestreifte, gelb-rot gepunktete oder blau-orange karierte Menschen.

Nähere Infos, warum es keine Farbigen gibt, findet ihr HIER!

2. Ein Begriff, der einem im Zuge der Berichterstattung über die US-Wahl auch immer wieder begegnet ist “Rasse”. Grund dafür ist vermutlich, die unreflektierte Übernahme und eins zu eins Übersetzung englischer Begriffe ins Deutsche. Ein fataler Fehler, denn das englische “race” ist in seiner Bedeutung NICHT mit dem deutschen “Rasse” gleichzusetzen - ähnlich wie das englische “billion” im Deutschen nicht die “Billion” sondern die “Milliarde” ist. Während der englische Begriff “race” eine gesellschaftpolitische Bedeutung hat, in der u.a. die unterschiedliche Erfahrungen von Schwarzen und Weißen mitgedacht werden, fußt das deutsche “Rasse” auf einer biologischen Erklärung, die Menschen an sich als unterschiedlich klassifiziert. Fakt ist aber, dass es keine menschlichen “Rassen” gibt. Biologen und Genetiker haben dies bereits vor Jahren belegt. Der genetische Unterschied zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen ist oftmals geringer, als innerhalb einer Gruppe - damit ist der Begriff “Rasse” wissenschaftlich unhaltbar und dient dem einzigen Zweck, Rassismus zu leben und zu legitimieren!

Mehr Infos bei wikipedia - HIER!

3. Nach der Wahl von Barack Obama ist in den deutschen Medien eines immer wieder zu hören: Kann ein/e Deutsch-Türk(e)in Bundeskanzler/in werden? Sicherlich eine berechtigte Frage, deren Antwort uns wohl allen klar ist. Nur ist es nicht parallel auch naheliegend zu fragen: Kann ein/e Schwarze/r Deutsche/r Bundeskanzler/in werden? Warum werden die Afros in Deutschland einmal mehr übergangen, obwohl der Grund für das Aufkommen dieser Frage doch ein Schwarzer US-Präsident ist!?

4. Vor, während und nach der Wahl ließ so mancher Kommentator, Moderator oder Talkshow-Gast die ein oder andere äußerst fragwürdige Bemerkung fallen. So wurde als ursächlich für Obamas Wahlsieg u.a. gemutmaßt: “Obama benimmt sich ja nicht wie ein Schwarzer” oder “Obama sieht nicht aus, wie ein richtiger Schwarzer”, ja und sogar das N-Wort fiel in so mancher Sendung. Letzteres brauchen und möchten wir an dieser Stelle nicht mehr kommentieren - es bleiben folgende Fragen: Wie benimmt sich ein Schwarzer? Trommelt er auf seiner Brust und schreit “u-ah, u-ah” oder tanzt er wild singend durch die Gegend, weil “ein bisschen Spaß muss doch sein”? Und wie sieht denn eigentlich ein richtiger Schwarzer aus? Schwarz!?

Mehr mediale Ausfälle HIER im Blog des Braunen Mobs!

“Die Wahl Barack Obamas ist für die Schwarzen weltweit mindestens so bedeutsam, wie der Fall der Mauer für die Osteuropäer”, erklärte Adé Bantu im WDR-Interview. In einer SMS, die derzeit unter den Afros in Deutschland kursiert, heißt es: “Rosa Parks sat, so Martin L. King could walk… Martin walked, so Obama could run… Obama is running and he WON, so our children can fly!” Ein Hauch von Freiheit liegt in der Luft und es tut ungemein gut, kräftig einzuatmen! Dennoch sollten wir uns bewusst sein, dass es ein Fehler ist, Obama auf sein Schwarz-Sein zu reduzieren. Entsprechend seiner Biographie - Schwarz UND Weiß, nicht entweder/oder sondern sowohl/als auch - hat sich Obama für den Weg des Dialoges entschieden. Es liegt an uns, diesen Weg ebenfalls einzuschlagen. YES WE CAN.

Source:BROTHERSKEEPERS

 







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