Datum: 24.01.10 12:09
Kategorie: Medien-Print, Österreich-Gesellschaft

Von: Lisa Ndokwu - Afrikanet.info

Othello, das N-Wort und die Qualitätsprintmedien

Für eine reflektierte und differenzierte Wortwahl in den Redaktionen österreichischer Medien.

 

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Die österreichischen Qualitätszeitungen "Der Standard" und "Die Presse" lieferten uns diese Woche Inhalte mit rassistischen Konnotationen gegenüber Schwarzen. Was Boulevardmedien wie die Kronenzeitung am Anfang dieses Jahres noch nicht geschafft haben.

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Wie kommt es, dass in einer Tageszeitung, die sich als Qualitätsmedium - Der Standard - bezeichnet, das N-Wort im Kulturteil Bestandteil einer Headline eines wenig gehaltvollen Artikels ist?

Wie kommt es, dass Inhaltslosigkeit und aufgeblasene Stammtischpsychologie als „Alphabet der Orientierung“ präsentiert werden?

Es handelt sich um einen Wegweiser für das zukünftige Publikum der jüngsten Inszenierung von Othello im Akademietheater.

Damit es wirklich jeder verstehen kann, werden die Interpretationen der Figuren mehr oder weniger alphabetisch geordnet.

Die Figur Othello wird als „hässlich“, zweifelhaft, schwach, schlicht „minderwertig“ charakterisiert.

Diese Konnotationen sind mindestens so alt wie die strapazierte alphabetische Methode. 

Auch eine andere Tageszeitung, die mit der Kürung zur besten Redaktion des Jahres 2009 - Die Presse - wirbt, strapaziert Zuschreibungen in einer ebenso gehaltlosen Headline. Hier wird John Lennon frei übersetzt - das N-Wort in direktem Zusammenhang mit der gesellschaftspolitischen Stellung der Frauen. Frisch und flockig wird die Interpretation des Regisseurs der Othello-Inszenierung fortgeschrieben. In diesem Artikel ist Othello „pechkohlrabenschwarz“ – ein Superlativ der besonderen Art. Und selbstverständlich ist er nur scheinbar integriert. 

Shakespeare war wohl kein Kämpfer gegen Rassismus und Xenophobie, doch die Mechanismen und Auswirkungen von rassistischen Ambitionen hat er auf den Punkt gebracht. Auch wenn die gegenwärtige Inszenierung im Akademietheater partout nicht als Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus betrachtet werden will, dieses Stück ist vor allem ein Drama über Rassismus. 

Ebenso dramatisch ist die inflationäre Verwendung des N-Worts in manchen Medien. Auch auf die Fahnen gehefteter Qualitätsjournalismus macht nicht Halt vor ignoranter Wortwahl.

Die allerorts beliebte Argumentation des nicht Gemeinten, aber Gesagten oder Geschriebenen bildet nicht nur die Spitze des Zynismus, sie zeigt die um sich greifende Stumpfheit in all ihrer Bedingungslosigkeit.

Eine Diffamierung ist eine Diffamierung! Rassistische Diskriminierung eine bittere Realität. Wir plädieren für eine Kultur einer reflektierten und differenzierten Wortwahl in den Redaktionen der österreichischen Medien.







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