Datum: 07.01.09 22:13
Kategorie: Kommentare

Von: Mathias Victorien Ntep - Frankfurt/Main

Guinea - Hauptmann Camara: "Das Militär gehört in die Kasernen"

(c)Privat

Als Hauptmann Moussa Dadis Camara am 23. Dezember 2008 ein Herz fasste und die politische Verantwortung nach dem Hinscheiden des langjährigen Machthabers Lansana Conte übernahm, um jedwedem gesellschaftlichen Chaos vorzubeugen und etwaigen gewieften Fischern im Trüben vorzugreifen, prasselte eine Tracht weltweiter Verurteilung auf ihn nieder. 

Er und seine Mitstreiter wurden mit Fug und Recht bezichtigt, geputscht zu haben. Heute erduldet die globale Gemeinschaft keinen militärischen Abenteurer, der mit Gewalt oder mit Arglistigkeit die Macht an sich reißt. Er verschlimmert noch seinen Fall, wenn er der Armee angehört, denn die Streitkräfte sollen sich auf die Verteidigung des Landes und der Integrität  Landesgrenzen konzentrieren.  

Nur haben der Hauptmann und seine Kameraden keinen Staatspräsidenten um jegliche politische Macht geprellt. Sie haben geduldig und brav darauf gewartet, dass der verstorbene Präsident das Zeitliche segnete, um das heruntergekommene Land vor der Anarchie zu bewahren. Die Generäle waren nicht an der politischen Verantwortungsübernahme beteiligt. Hauptmann Camara und seine Leute haben bislang noch niemanden zu Unrecht verfolgt. 

Lansana Conte war seit mehr als einem Jahr schwer krank. Das Land fiel den Nutznießern und Profitjägern, die sich aus gewissen Segmenten des Beamtentums, der Geschäftsleute, der Streitkräfte und seiner übermäßig weiten Großfamilie, zum Opfer. Elektrischer Strom ist eine Mangelware in der Hauptstadt Conakry geworden. Der Durchschnittsbürger im heutigen Guinea lässt eine bittere Armut in einem Land über sich ergehen, das reich an Bodenschätzen ist und zurzeit Geld damit verdient.  

Der „Nationale Rat für Demokratie und Entwicklung“, dessen Anführer Hauptmann Camara ist, wurde von dem Großteil der Bevölkerung gefeiert. Inzwischen haben sich die Mitglieder der ehemaligen Regierung denen angeschlossen, welche nun das Sagen in Conakry, der Hauptstadt Guineas, haben. Der frühere Regierungschef hat sich bereit erklärt, mit dem neuen „Nationalen Rat“ zusammenzuarbeiten und der Mannschaft von Hauptmann Camara „ zur Verfügung zu stehen.“     

Neulich hat der „Rat“ Herrn Kabine Komara zum Regierungschef ernannt. Er soll mit den politischen Parteien Hand in Hand zusammenarbeiten, um einen raschen Übergang zu vollenden und für eine schnelle Rückkehr zu einer zivilen Regierung zu sorgen. Der neue starke Mann Conakrys hat selbst vor kurzem erklärt: „Das Militär gehört in die Kasernen, nicht an die politische Macht“. Deswegen ist Staatspräsident Wade von Senegal der Ansicht, dass man die neue politische Lichtgestalt dieses westafrikanischen Landes beim Wort nehmen soll, auf dass er die Zügel der Macht an eine demokratisch gewählte Regierung möglichst bald abgibt.  

Auch Oberst Gaddafi von Libyen hat dem jungen Hauptmann am 3. Januar einen Besuch abgestattet. Er hat ihm und Guinea seine Unterstützung zugesagt. 

Der französische Staatssekretär für Zusammenarbeit und Frankophonie hielt sich am 3. und 4. Januar in Conakry auf. Während dieses Aufenthaltes beriet er sich mit dem neuen Regierungschef Komara, den Anführern der politischen Parteien und den Wortführern der Zivilgesellschaft. Der „Rat“ hat dem französischen Staatssekretär versichert, dass die neuen Machthaber eine Regierung zügig unter der Leitung des Regierungschefs Komara bilden und dieser den Übergang in die Wege leiten wird. Zudem werden die Wahlen so schnell wie möglich veranstaltet, an denen kein Regierungsmitglied bzw. kein Angehöriger des „Rates“ teilnehmen wird. 

Die globale Gemeinschaft kann nur Hauptmann Camara und seine Mitstreiter durch die Finger sehen und an die Kandare nehmen, damit auch in seinem eigenen Interesse und zum Wohl der Leute von Guinea die internationale Gemeinschaft nicht mehr mit der Suppe des verstorbenen Generals Robert Guei der Elfenbeinküste – Côte d´Ivoire – abgespeist wird. 

Dieser ergriff die Macht in der Elfenbeinküste gegen Ende der Neunzigerjahre angeblich mit dem Ziel, mit den inneren Wirren des Landes aufzuräumen und die Ungerechtigkeit, die zur Diskriminierung des früheren Regierungschefs Alassane Dramane Ouattara führte, abzuschaffen.  

Statt dessen erhielten die Elfenbeinküste und die globale Gemeinschaft einen Mann, der sich als Machterschleicher  entpuppte und der seinen militärischen Kampfanzug gegen einen prachtvollen zivilen Präsidentenanzug eintauschte. Der Mann wollte reineweg die politische Macht, die er gerade probiert hatte, auskosten und möglicherweise dieselbe beschlagnahmen. Die heutige Sackgasse in der Elfenbeinküste ist ihm zum Teil zuzuschreiben.  

Der Hauptmann von Conakry täte gut daran, dem Beispiel von Amadou Toumani Toure aus Mali zu folgen. Dieser hatte die Macht an eine demokratisch gewählte Regierung überreicht. Erst später kam er durch eine demokratische Entscheidung der Wähler an die Macht wieder. Camara selbst hat Recht, wenn er sagt: „ Ich kann mir keinen Fehler leisten“, weil  das Militär eigentlich „in die Kasernen gehört“. Sollte er sich an seinem Wort und Versprechen versündigen, da wird man kurzerhand von „ verwerflichem Putsch“ sprechen können. 







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