Datum: 20.01.09 10:34
Kategorie: Kommentare

Von: Pierrette Dr.Herzberger-Fofana

Barack Obama oder die Historische Veränderung

Die Wahl des Präsidenten Barack Hussein Obama hat eine Sympathiewelle auf der ganzen Welt hervorgerufen, eine Begeisterung und eine quasi universale Euphorie, auch jenseits der amerikanischen Grenzen.   

Millionen von Fernsehzuschauern auf der ganzen Welt haben die Nacht vom 4. November 2008 geopfert, um dieses historische Ereignis live mitzuerleben, obwohl sie weder Wähler waren, noch sie den Präsidenten der Vereinigten Staaten wählen durften, drückten sie Obama die Daumen. 

Die Wahl eines schwarzen Präsidenten in das höchste Amt des mächtigsten Landes der Welt ist ein historisches Ereignis. Amerika hat sein Reichtum zum Teil angesichts des Schweißes und auf dem Rücken von deportierten Frauen und Männern aus Afrika und den Indianern gegründet, die sie zu Sklaven reduziert haben, so dass uns diese Wahl vor die Frage stellt. Warum eine solche Begeisterung? 

Wer hätte gedacht, dass weniger als ein Jahrhundert, nach der Verabschiedung des Wahlrechts für Schwarze (1964), 143 Jahre  nach der Ende der Sklaverei in Amerika und der zahlreichen rassistischen Morde des Klu Klux Klans (KKK) gegen schwarzen Menschen, (1) der langjährige Kampf des NAACP seit 1909 gegen alle Ungerechtigkeiten, die einzig und allein auf der Hautfarbe basierten, wir einen solchen Ehrentag würden zelebrieren können. 

Wer hätte gedacht, dass 53 Jahre nach dem „Montgomery Bus Boycott“ in Alabama d.h. der gewaltfreie Boykott die Busse während eines ganzen Jahres von den Schwarzen nicht genutzt wurden (1955), um das Recht zu bekommen, sich im Bus hinzusetzen, wo sie wollen. Diese gewaltfreie Bewegung mündet 1963 in den Marsch vor dem „Memorial Lincoln“ und wurde von   Dr. Martin Luther King initiiert  im Jahre 1963. Schließlich führten dieser Boykott zur Abschaffung der rassistischen Gesetze „Jim Crow“ und das Erlangen der Zivilrechte für Schwarze Menschen erst im Jahr 1964.  

Wer hätte gedacht, dass aufgrund der Rassenmorde an Malcolm X (1965) und Martin Luther King (1968), die unzähligen Aufstände wegen der rassistischen Diskriminierung in öffentlichen Schulen gefolgt von der Zwangsverschleppung von schwarzen Schülern, um sie in weißen Schulen zu integrieren, damit die Quote der Kinder aus unterschiedlichen Kulturen in den schulischen Einrichtungen erreicht wird, wir Zeugen der politischen Veränderung in Amerika würden. 

Die Geschichte der Afro-Amerikaner ist auch die Geschichte eines Langhaltenden Kampfes der „Black Panther“ (1966), des „Black Power Movement“ (1968), der antirassistischen Demonstrationen, um ein Ende der Apartheid in Schulen, Universitäten und an Arbeitsplätzen herbeizuführen.

Es ist auch die Kulturbewegung „Black is beautiful“ (1960) oder das Schlagwort „Say It Loud I am Black and Proud“ (sag es laut, ich bin schwarz und stolz darauf) von James Brown (1970), die blutigen Aufstände, die das Leben zahlreicher Afroamerikaner gekostet hat.

Wer aber hätte wirklich gedacht, wir würden die Verwirklichung des Traumes von Martin Luther King „I have a dream„ erleben  (2). 

„Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden.“   Martin Luther King. 

Die Frage des Rassismus lässt sich nicht verschweigen. BARACK OBAMA hat die Tabus und Vorurteile gebrochen, was die Beziehungen zwischen den verschiedenen Communities betrifft. 

„He makes History“. Er schreibt bereits zu Lebzeiten Geschichte.  

Die Pflicht zur Erinnerung betrifft nicht nur eine Community, sondern die ganze Welt. Der Titel seines Buches „Hoffnung wagen“ gibt eine Vorahnung von seinem politischen Programm.

Mut zu wagen ist für jeden auf seinem eigenen Gebiet möglich geworden. Barack Obama hat uns wieder gelernt zu träumen und an seine Träume zu glauben. Er verkörpert die Hoffnung, dass eine Veränderung für jeden möglich ist. 

Die Begeisterung für Barack Obama liegt in seiner Persönlichkeit, seinem Charisma, und seiner Kompetenz, die seine starke Persönlichkeit geformt haben: stark, einfühlsam, zärtlich und überzeugend, kompetent, selbstsicher und nicht pedant. Er ist eine Inspiration für alle Menschen, die nach Frieden und Nächstenliebe streben. 

Mit Mut hat er sich an eine multikulturelle Wählerschaft gewandt, ohne eine besondere Gruppe zu privilegieren. Dies beweist eine gute Menschenkenntnis. Er hat viele soziokulturelle Gruppen als Verbündete für sich gewinnen können und darunter 95% der schwarzen Wähler. 

Die Stärke seines Charakters trug viel zu der Bildung seiner Persönlichkeit bei . Er hat gewusst wie er alle verschiedenen Volksgruppen für seine Ideen begeistern konnte: die Jungen, die Alten, die Schwarzen, die Latinos, die Juden, die Araber, die Asiaten, die Weißen, die Elite, die benachteiligten Schichten, die Arbeiter, die Finanzwelt, den Mittelstand, die Soldaten, die Veteranen, die Frauen , die Künstler etc..… 

OBAMA hat auf das prestigeträchtigste Symbol seines Landes gezielt: die Präsidentschaft der mächtigsten Nation der Welt. Er hat seine Wette gewonnen.  

Es ist klar, dass der neugewählte Präsident keinen Zauberstab besitzt, um sein Land und die ganze Welt aus der Finanzkrise herauszuführen. Er hat auch keine Wunderlösung, um alle Probleme, unter denen die Menschheit leidet zu lösen. Er wird nicht die Armen bereichern und die Welt von allen Plagen, die die verschiedenen Länder heimsuchen, retten. Das Weiße Haus wird sich nicht in ein Sozialamt für Bedürftige in Amerika oder für die Entwicklungsländer verwandeln.  

Aber man merkt bereits jetzt eine spürbare Veränderung zwischen den Generationen und den unterschiedlichen kulturellen sowie gesellschaftlichen Schichten. Insbesondere haben jetzt die Minoritäten ein konkretes Vorbild, zu dem sie hinaufblicken können. Barack Obama hat den Weg für die junge Generation, die Minoritäten und die schweigende Mehrheit, die ihn en masse unterstützt hat, geebnet. 

Nach dem Motto hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau würdigen wir auch die wohlverdiente Rolle von Michelle Obama;  „sein Felsen“. 

Sie hat das Bild der schwarzen Frau in den Medien revolutioniert: sowohl das der berufstätigen Frau als auch das der Familienmutter. In einem Wort sie hat das Bild der FRAU geprägt, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit und hat ihr somit ein anderes Image verliehen. 

Gebildet, diplomiert von Harvard, kompetent, und engagiert. Sie bleibt trotzdem die „Sister“ für die Afroamerikaner und für jede Frau, die sich politisch engagieren will. Mit Michelle Obama entdeckte die westliche Welt ein positives Image der schwarzen Frau. Sie besitzt den „Black Women Affect“. Sogar ihre Kritiker bescheinigen ihr „dass sie sehr gut aussieht“.  

Aber vor allem hat das Ehepaar Obama, die Familie aufgewertet. Ihr Auftritt mit ihren beiden Kindern an der Hand ist sicherlich eines der stärksten Bilder, das dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben wird. Dieses Bild hat eine tiefe Emotion auf unserem ganzen Planeten ausgelöst, ein Bild, dass soviel Tränen vergießen ließ: von dem einfachen Zuschauer in Chicago, New York, Nairobi, Djakarta, Johannesburg, Berlin, Paris, London, Ottawa bis zu den Tränen der Großen dieser Welt wie Pastor Jesse Jackson oder Oprah Winfrey, die bekannte US-Moderatorin. 

Dieses Bild hat während kurzer Zeit einen universellen Freudenschrei, Gelächter, Gesänge und Tänze auf der ganzen Welt hervorgerufen, vom den Dorf Kogelo in Kenia bis zu der kleinen Stadt Obama in Japan. Die Bilder aus dem Internet sprechen für sich.   

An diesem historischen Tag, dem 20. Januar 2009, möchten wir vom ganzen Herzen dem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gratulieren und ihm Gottes Segen wünschen für seine verantwortungsvolle Tätigkeit. 

Dr. Pierrette Herzberger-Fofana, Stadträtin-Erlangen

 

Fußnoten

  1. 1. (APA): „Obama-Skandal beim ORF.USA attackieren Sender wegen Rassismus“
    www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,590735,00.html .
    Pierrette Herzberger-Fofana. „Scandale à Vienne. Propos racistes contre Obama“. www.sudonline.sn, www.grioo.com www.alpha-2.info
  2. 2. Pierrette Herzberger-Fofana „. „Herzlichen Glückwunsch Mr. President!
    “http://www.alpha-2.info/GLUCKWUNSCHE-AN-DEN-PRASIDENTEN-DER-VEREINIGTEN-STAATEN-Mr-BARACK-OBAMA_a4068.htmlwww.alpha-2.info.
  3. 3. ibid. « Barack Obamaou le changement historique » www.renaf.org, afrology.com,sudonline.sn,grioo.com.                                                                                                                        

      4.       Dr. Martin Luther King (1929-1968) Friedensnobelpreisträger, ermordet am 4.April 1968 in Memphis- Zitate Auszüge aus seiner berühmten  Rede beim Marsch auf Washington am 28. August 1963 vor 250.000 Menschen am Lincoln Memorial in Washington D.C. 

Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können. […]

Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. Ich habe einen Traum heute.” 

 

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Dieser Text auf Französisch

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