Datum: 05.02.09 09:42
Kategorie: Kommentare

Von: Salzburger Fenster/Heinrich Breidenbach

München: Darf ein Schwarzer in Lederhose die Biermaß bringen?

Schmeckt das Bier nicht, Herr Doktor Schnell?

Der Salzburger FPÖ-Chef Karl Schnell ist ein Rassist. Punkt. Er hat bei einer Versammlung der extrem rechten deutschen „Republikaner“ im letzten Juni in Rosenheim die Aussage getätigt, andere Parteien seien Schuld daran, dass „mittlerweile der Schwarzafrikaner in Lederhose in München die Maß bringt“.

Karl Schnell hat diese Aussage, die im Nachrichtenmagazin „profil“ zitiert wurde, nie dementiert, auch nicht auf eine diesbezügliche Frage letzten Mittwoch im Rahmen eines Video-Chats mit LeserInnen der Salzburger Nachrichten. In seiner Antwort hat er sofort abgelenkt und versucht, mit Standardsätzen über „kriminelle Asylwerber“ und „Heimatliebe“, etc. die Kurve zu kratzen. Im konkreten Fall ist das besonders absurd. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den ständig strapazierten „kriminellen Asylwerbern“ und Menschen, die als Kellner arbeiten und Bier servieren. Kellner ist schließlich ein redlicher Beruf. 

Was soll nun daran schlimm sein, wenn einem ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe ein Bier serviert? Schmeckt es dann nicht? Wird das Bier dunkler? Der Herr Schnell fällt mit dieser Aussage hinter den letzen Südstaaten-Farmer zurück. Den hat es nie gestört, wenn ihm sein schwarzer Sklave oder Butler einen Drink gebracht hat. 

Es hilft kein Herumgerede und es ist überhaupt keine Frage: Jemand, den es stört von einem „Schwarzafrikaner in Lederhosen“ ein Bier serviert zu bekommt, denkt rassistisch und ist ein Rassist. Wenn er das als Politiker in einer Versammlung sagt, kann er nicht als harmloser beschränkter Hinterwäldler durchgehen, sondern ist ein berechnender politischer Hetzer. 

Es ist mittlerweile Taktik dieser Leute geworden, zuerst abscheuliche Aussagen zu tätigen, und diese dann nach öffentlicher Kritik halbseiden zu verharmlosen. Nein, nein, man sei eh kein Rassist, sondern nur für „Heimatliebe“ und gegen „kriminelle Asylwerber“ (wenn es diese nicht gäbe, müssten Schnell und Co. sie erfinden). Aber das Gift ist draußen und wirkt, insbesondere bei der eigenen Anhängerschaft, die gelernt hat, die nachfolgenden Verharmlosungen als öffentlich notwendige Zugeständnisse zu verstehen. 

Der Lungauer „N*“

Rassismus ist kein Wirtshauswitz. Rassismus ist eine Blutspur durch die Geschichte. Er führt zu Gewalt, Ausbeutung, Unterdrückung und schreienden Ungerechtigkeiten. Rassismus macht dumm. Ein rassistisch verseuchtes Hirn, das in unterschiedlich pigmentierter Haut irgendwelche relevanten, positiven oder negativen Unterscheidungsmerkmale zu erkennen glaubt, kann die Wirklichkeit nicht erkennen. Rassisten kann man politisch nicht vertrauen. Wer Menschen herabwürdigt, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben, der meint es auch mit denen nicht gut, die er vorgibt zu vertreten. Er benutzt sie nur. Alle rassistischen, nationalistischen oder religiösen Hetzer haben letztlich immer auch ihrer eigenen Anhängerschaft geschadet und diese häufig in einen Abgrund geführt. 

Letzten Mittwoch veröffentlichte die Salzburger Kinder- und Jugendanwaltschaft ihre Bilanz über das abgelaufene Jahr. Sie war mit 1.900 Einzelschicksalen konfrontiert. Eines davon war ein dunkelhäutiges Schulkind aus Tamsweg. In seiner Klasse war es häufig nur „der Neger“. Rassismus ist also kein abstraktes Problem. Er kann ganz konkret und heute in Salzburg ein Kind unglücklich machen. Auch das sind die Zusammenhänge. Der kleine Alain soll Lederhosen tragen und Kellner werden können, ohne dass ein Politiker auf seine Kosten billig auf Stimmenfang geht. 







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