Datum: 13.01.10 23:15
Kategorie: Kommentare, Sport

Von: Mathias Victorien Ntep - Deutschland Korrespondent

Fussballjahr 2010: „Vorsicht ist besser als Nachsicht“ 

Wenngleich der Auftakt des Afrikanischen Super-Fußballjahres 2010 am letzten 10. Januar 2010 nahezu wie geschmiert mit dem Eröffnungsspiel „Angola – Mali“, welches mit einem „4 zu 4“ – Unentschieden im nagelneuen Stadium zu Luanda  endete, über die Bühne ging, wird ein mulmiger Unsicherheitsbeigeschmack die meisten Beteiligten beim derzeitigen afrikanischen Fußball-Länderpokal in Angola und anlässlich der heurigen Fußballweltmeisterschaft in Südafrika immer wieder beschleichen, denn die Tötung menschlichen Lebens am letzten 8. Januar in Kabinda (Angola) hat die Fußballwelt entsetzt.  


Tatsächlich ist die 27. afrikanische Fußball-Ländermeisterschaft um eine Nationalelf gebracht worden. Die „Sperber von Togo“ – so wird die Nationalelf Togos geheißen – mussten am 10. Januar die Heimreise antreten, weil die Spieler um die Fußball-Lichtgestalt Adebayor ihren Assistenztrainer, ihren Pressesprecher und den Busfahrer in einer Schießerei, in der radikale Sonderbestrebungskämpfer der angolanischen regionalen Provinz und Enklave Kabinda eine Hand hatten, verloren haben.  

Der Mannschaftsbus wurde rund dreißig Minuten lang unter Beschuss genommen, nachdem das Fahrzeug über die Grenze zwischen Kongo und Angola fuhr und sich bereits in Kabinda ( Angola) befand. Das Fußballfest, das das Fußballjahr 2010 in Afrika einläuten sollte, ist Fußballspielern und Millionen von Fußballanhängern gewissermaßen vergällt worden. In Wahrheit haben der angolanische Staat, der Afrikanische Fußballverband, die radikalen Unabhängigkeitskämpfer Kabindas und die togolesische Nationalmannschaft Fehler begangen, die das Drama am letzten 8. Januar zeitigten.


Rodriguez Minga: „Waffen werden in Kabinda weiter knattern“


Wiewohl es verlautet, dass die angolanische Regierung vor etlichen Jahren eine Vereinbarung mit dem gemäßigten Flügel der Unabhängigkeitskämpfer von Kabinda traf, hat sich der radikale Flügel zu dieser Feuereinstellung und diesem Waffenstillstand niemals bekannt. Dies soll auch heißen, dass Kabinda noch in einem Kriegszustand steckt. Das hat Rodriguez Minga, ein Anführer des radikalen Flügels der Unabhängigkeitskämpfer Kabindas, am 10. Januar erklärt. Des Weiteren hat Minga verlautbart, dass Kabinda „seit 35 Jahren von Angola besetzt wird“ und dass die Unabhängigkeitskämpfer gegen die „Besatzungsmacht“ mit Waffen fernerhin kämpfen würden, um die Enklave unregierbar zu machen, bis die angolanische Regierung auf das Verhandlungsangebot unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union, der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten von Amerika eingehe.

Der Missgriff der angolanischen Regierung  besteht darin, dass sie weiß, Kabinda ist noch nicht restlos befriedet worden; trotzdem hat sie den Afrikanischen Fußballverband überredet und überzeugt, manche Begegnungen der 27. Afrika-Fußballländermeisterschaft dort bestreiten zu lassen. Dadurch haben die Angolaner den Afrikanischen Fußballverband für die letztgültige Schlichtung sowohl eines politischen als auch bewaffneten Konfliktes eingespannt. 


Die Togoer sind auch nicht auf der ganzen Linie freizusprechen. Obwohl der Afrikanische Fußballverband (die „CAF“) den Nationalmannschaften in Afrika immer empfiehlt, mit dem Flugzeug ins Veranstaltungsland einzureisen, hat die togolesische Nationalelf diesen Ratschlag missachtet. Die „CAF“ ist sogar immer bereit, den Nationalmannschaften eine Chartermaschine zur Verfügung zu stellen, falls Nationalmannschaften Linienflüge verpassen.  

Offen gestanden, kann behauptet werden, dass auch „CAF“- Funktionäre ein lützel nachlässig waren, weil sie wussten, dass die angolanische Enklave nicht ungefährlich ist. In der Tat hat Rodriguez Minga am 10. Januar den Gedanken zum Ausdruck gebracht, dass seine Widerstandsgruppe die „CAF“ brieflich davor gewarnt hatte,  die Afrika-Fußballländermeisterschaft in Kabinda , einem Kriegsgebiet, mit zu veranstalten. Minga hat hinzugesagt: „Krieg ist Krieg: alles ist erlaubt, alle Tricks und Kniffe sind erlaubt. Waffen werden weiter knattern“.

Schlussendlich sind die radikalen Widerstandskämpfer mitverantwortlich für den Tod der drei Männer und dafür, dass die togolesische Nationalelf die Flinte ins Korn geworfen hat und am 10. Januar die Heimreise antrat. Wenn die Unabhängigkeitskämpfer Kabindas wirklich nicht das Fußballfest in Angola stören wollen und ein Hühnchen nur mit der „Besatzungsmacht“ -- lediglich mit den angolanischen Sicherheitskräften und Behörden -- zu rupfen haben, wieso haben sie trotzdem zwei Togoer und deren Busfahrer abgeknallt?


Alles in allem waren alle Beteiligten zu risikofreudig und sorglos. Weil sie keine Vorsicht walten ließen, bedauern alle im Nachhinein den gewaltsamen Tod der drei Männer. Die einzige Lösung, die den Veranstaltern übrigbleibt, ist es, allen Beteiligten und Akteuren einen polizeilichen und militärischen Schutz rund um die Sekunde zu gewähren.







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