Datum: 18.07.10 08:45
Kategorie: Kommentare

Von: Clara Akinyosoye

Schlusspfiff – Afrika war gestern

Die erste Fußball- Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden ist Geschichte. An Afrikaschwerpunkten mangelte es dieser Tage nicht. Doch was bleibt?

Die WM ist vorbei. Der Afrika-Schwerpunkt vom Tisch. In Österreich hat man die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika als Anlass genommen allerorts Afrika-Schwerpunkte zu setzen. Afrikanet.info und AFRA haben den Zeitpunkt genutzt um sich intensiv damit zu beschäftigen, wie die Situation Schwarzer Menschen in Österreich aussieht. Zum ersten Mal in der Geschichte Österreichs wurde ein Bericht zur Lage Schwarzer Menschen herausgegeben. Auch nach der WM stehen hier Schwarze Menschen im Mittelpunkt.

Der Bericht zeigt die Dynamik und den Partizipationswillen der Schwarzen Communities ohne dabei zu verleugnen, dass sie in allen Lebensbereichen besonders von Rassismus betroffen sind. EU- Berichte, als auch internationale Berichte weisen alle darauf hin, dass Schwarze Menschen besonders von Anti- Schwarze-Rassismus betroffen sind. Doch Schwarze Menschen sind nicht nur als Opfer zu betrachten. Sie partizipieren aktiv wirtschaftlich, politisch, medial und kulturell in der österreichischen Gesellschaft. Sie tragen zum Wirtschaftswachstum bei. Nigerianische Geschäftsleute investieren zwischen 50 und 80 Mio. Euro in die Stickereienwirtschaft Vorarlbergs. Das erhält Arbeitsplätze. Wunderbar! Umstände, wie diese werden in der öffentlichen Debatte um Drogendealer und Asylbetrüger jedoch zu gern vernachlässigt. Alibidebatten über „sogenannte“ Integration sind gemütlicher als eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit den Themen Inklusion, Exklusion und Anti-Schwarze-Rassismus. Was Österreich aber braucht ist eine eben solche Diskussion über Polizeigewalt, Ethnic Profiling und  Chancen(un)gleichheit, keine Scheindebatten über Burkaverbote, die unsichtbaren Burkaträgerinnen mit Zwang die Selbstbestimmungsrechte beibringen sollen. 

Die „Präsenz von Afrika“ in den letzten Wochen war wichtig, interessant und zudem erfrischend. Aber kurzzeitig aufwallende Leidenschaft für den afrikanischen Kontinent, seine Bewohner und Diaspora bringen uns nicht weiter. Da braucht es schon eine langfristige ernsthafte Debatte über Rassismus und Diversität auf allen Ebenen. Hatten wir solche Debatten im Rahmen der WM? Vielleicht ansatzweise. Aber darüber hinaus brauchen wir mehr Raum, mehr Platz, mehr Interesse für die Schwarze Bevölkerung Österreichs. Vorzugsweise nicht nur dann, wenn sich alle heiligen Jahre mal eine Horde Männer in knappen Shorts in Afrika trifft um - in aller Hektik (mit Hand und Fuß) - 90 Minuten lang einem Ball hinterherzujagen.  

 

Clara Akinyosoye 







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