Datum: 24.06.11 11:40
Kategorie: Kolumnen

Von: Von Mathias Victorien Ntep - Afrikanet.info -- Deutschland

Entwicklungszusammenarbeit: Der Kies bleibt auf der Strecke

Autor: Mathias Victorien Ntep

Kein Mensch kann leugnen, dass der Steuerzahler  in mehreren Industrieländern beträchtliche Geldbeträge für den Aufschwung der Volkswirtschaften der Nachzüglerländer dieser Erde aufwendet. Niemand ist im Stande, zu bestreiten, dass sich der Durchschnittsmensch in sog. 'Entwickelten Ländern' dann und wann fragt, warum die meisten Länder Afrikas es noch nicht geschafft haben, nicht nur ihre bevorzugten herrschenden Minderheiten in Saus und Braus leben zu lassen, sondern auch ihren Volksmassen zum Wohlstand zu verhelfen. 

Der Grieche Perikles erklärte dennoch, dass der Zweck der Demokratie darin bestehe  -- und m. E besteht --, vorrangig die Belange der Volksmassen zu wahren und nicht nur den Interessen der herrschenden Minderheit zu dienen. Nahezu überall auf dem afrikanischen Kontinent findet man Demokratisierungsprozesse, die jedoch insofern nicht zur Genüge fruchten, als die Machthaber alle Register ziehen, um diese Demokratisierungsprozesse zu manipulieren, auf dass ihnen die Zügel der Macht und der Zugang zum Geld zeitlebens nicht abhanden kommen. 

In begüterten Nationen zermartern sich Studenten, Akademiker, Professoren, Politiker und viele Menschen das Hirn um die Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung der zurzeit 'Unglücklichen Länder dieser Erde'. Sie fragen sich immer wieder: „Wo liegt der Hase begraben? Womit hapert es eigentlich bei diesen Ländern?“ In Deutschland insbesondere werden Tagungen, Begegnungen, Vorträge, Seminare und öffentliche Diskussionen und Debatten diesbezüglich regelmäßig veranstaltet. Dies ist deshalb löblich, weil viele Teilnehmer es ernst meinen. Die Korruption und die Kleptomanie von vielen Machthabern und Entscheidungsträgern -- manche sind sogar Mitglieder von international agierenden Schattenkreisen, deren Belange sie zuungunsten ihrer eigenen Landsleute konsequent vertreten -- werden oftmals dabei aufs Korn genommen und an den Pranger gestellt. Modernisierungs-  und Dependenztheorien wurden aufgestellt, um die Entwicklung und die Unterentwicklung erklären zu können. Sowohl intrinsische als auch extrinsische Faktoren zur Armut und Unterentwicklung wurden festgestellt. 

Selten wird indes die Frage aufgeworfen, ob  der Großteil der der Entwicklungshilfe zur Verfügung gestellten Gelder tatsächlich den Bedürftigen in den Entwicklungsländern zugute kommt. Es ist eigentlich Tatsache, dass nur ein winziger Bruchteil dieser Gelder die produktionsfähigen Notleidenden in Entwicklungsländern erreicht. Der Quebecer Yvon Poitras schreibt hierzu: 

„Im Jahre 2002 haben die Vereinigten Staaten von Amerika 3$ für jeden Einwohner Afrikas südlich der Sahara gespendet. Wenn aber die Gehälter der Entwicklungsberater und – helfer, die Verwaltungskosten und die Schuldenrückzahlung davon abgezogen werden, bleiben ca. 6 Cents Direkthilfe für jeden Afrikaner. Währenddessen erhielt jede europäische Kuh einen Zuschuss in Höhe von 2$.“   ( Yvon Poitras 2008: 77)

Im obigen vom kanadischen Philosophen Yvon Poitras zur Sprache gebrachten Fall kommen den Entwicklungsempfängern in Afrika nur 2% der Gelder zugute, die ihnen der Steuerzahler und der Durchschnittsmensch in 'Entwickelten Ländern' gesandt haben. Es ist gar nicht verwerflich, Leute zu vergüten, die ihre Arbeit verrichten; letztlich wollen die Entwicklungsberater und –helfer auch Geld verdienen. Was aber fast nie in der öffentlichen Meinung wahrgenommen wird, ist die Tatsache, dass die beabsichtigten Zielgruppen in den Entwicklungsländern dabei zu kurz kommen, da sie nun nicht gerade viel von den zusammengekratzten Ressourcen abkriegen. Die Kohle für die Zusammenarbeit und die Entwicklung landet größtenteils in den Taschen der Verwalter, der Berater und der Entwicklungshelfer. 

Für solche Völker bürgen ehrlich erworbene Reichtümer, Gesundheit, langes Leben und Fruchtbarkeit für Wohlstand.

Auch afrikanische Entwicklungshelfer bekommen ihren Teil vom Kuchen ab. Es ist nicht verkehrt, Afrikanerinnen und Afrikaner in die internationale Entwicklungszusammenarbeit einzubinden. Sie können die schnelle Abwicklung der Projekte und Aufträge vor Ort in Afrika erleichtern und den Einheimischen etwas Vertrauen einjagen oder das Missvertrauen der Eingeborenen den westlichen Entwicklungshelfern gegenüber abbauen. In vielen Fällen werden afrikanische Entwicklungshelfer jedoch auch als Fremde betrachtet, weil ihnen sehr oft anzumerken ist, dass sie kulturell entwurzelt und entfremdet sind; dies liegt größtenteils auf der Hand. Manchmal  wollen sie schlicht und einfach die Einheimischen beeindrucken und durch den Kakao ziehen, indem sie sich so verhalten, als wüssten die Eingeborenen nicht, was gut und ergiebig für sie wäre. Somit wird jede demokratische Kommunikation zwischen Entwicklungshelfern und Entwicklungsempfängern verdrängt, unterdrückt und unterbunden. 

Im Zuge der rasanten wirtschaftlichen Fortschritte, die China und Indien in den letzten Jahrfünften gemacht haben, plädieren nicht wenige Afrikaner unkritisch für die Nachahmung Chinas und Indiens und nicht zuletzt für den Rückgriff auf die eigenen afrikanischen kulturellen Werte  und für das Einspannen dieser in ihre zu erwählenden Entwicklungsstrategien. Was sich wiederum als bedenklich erweist, ist der Umstand, dass die meisten afrikanischen Entwicklungshelfer den Kulturen und Entwicklungsvorstellungen der ländlichen und der städtischen Volksmassen in Afrika entfremdet sind. Die überwältigende Mehrheit der afrikanischen Entwicklungshelfer ist nur auf ihre eigenen finanziellen Belange bedacht. All dies führt mit dazu, dass die guten Absichten, der gute Wille und die Bemühungen des Steuerzahlers und des Durchschnittsmenschen in ' Entwickelten Ländern' öfters nicht mit den erhofften Ergebnissen honoriert oder von denselben  gekrönt werden. 

Was in Wahrheit nunmehr in Betracht gezogen werden sollte, ist die Wirklichkeit, dass manche afrikanische Völker eine differenzierte Auffassung vom Begriff 'Entwicklung' haben. Bei jenen Völkern wird vielmehr der Begriff  'Wohlstand' verwendet, welcher nicht nur als 'Prozess', sondern auch als 'Zustand' verstanden wird. Fortschritte und Wohlstand können dann erzielt werden, wenn die Gemeinschaft oder die Gesellschaft vorher saniert  worden ist; es geht darum, diese ab und zu zu therapieren und von Konflikten, von Streiten, von Streitereien, von Neid, von Verleumdung, von Denunziation, von rückständigen Praktiken wie Zauberei u.dgl.m. unter und zwischen den Angehörigen der Gemeinschaft oder der Gesellschaft zu befreien. Für solche Völker bürgen ehrlich erworbene Reichtümer, Gesundheit, langes Leben und Fruchtbarkeit für Wohlstand. Dies soll auch bedeuten, dass Projekte, die nicht unmittelbar zur Beilegung bzw. Schlichtung von seelischen, parapsychologischen, geistlichen, zwischenmenschlichen  und sozialen Hindernissen und Konflikten und zugleich zu Reichtümern, zum langen Leben, zur Gesundheit und zur Fruchtbarkeit beitragen, kaum als Entwicklungsprojekte wahrgenommen werden. 

Schlussendlich wird die Entwicklungsvorgehensweise, die wirklich interkulturell gesinnte und handelnde Mitarbeiter, welche auf klare und nachhaltige Ergebnisse bedacht sind, mit einer gewissen Rationalisierung der Verwaltung und einer demokratischen Einbindung der Entwicklungsempfänger in den Partnerländern verbindet, die effizienteste, wirkungsvollste und die rentabelste sein. 

Es ist derzeit wünschenswert, den Spagat zwischen Wohlstandsförderung der Entwicklungshelfer, der Berater und der Verwalter auf der einen Seite und  Wohlstandsförderung der Volksmassen in ökonomisch schwachen Nationen hinzukriegen. Die humanistisch-humane Marktwirtschaft könnte hier die Lösung sein, denn Sokrates, der griechische Philosoph des Altertums, behauptete einmal mit Fug und Recht, dass nur die Wirtschaft – sprich: das gute Wirtschaften von Ressourcen – die Armut in Schach halten kann. 

 







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