Datum: 07.12.12 13:49
Kategorie: Kommentare

Von: Teresa Asil

"Fürchte dich nicht, Bleichgesicht"

„Das ist nicht so gemeint“, ist die häufigste Antwort, wenn Rassismus im Alltag angesprochen und aufgezeigt wird. „Nicht so schlimm, reg dich nicht auf“, ist auch sehr beliebt.

In Österreich wird besonderer Wert auf eine Kontinuität von Rassismus im öffentlichen Raum gelegt, hierzulande nennt man das Tradition. Im Besonderen wird auf dem M-Wort in der kulinarischen Welt beharrt. Ob es sich nun um Speisen oder um Getränke handelt ist einerlei, der M* wird als Marke präsentiert und verteidigt.

Im Frühjahr dieses Jahres führte eine Aussendung der Wirtschaftskammer für einen kurzen Moment dazu, an die Vernunft zu glauben. Der Inhalt, eine Empfehlung an die Gastronomie, den allseits beliebten Schokokuchen mit Schlagobers auch so zu benennen, verebbte in einer Welle der Empörung und einem unbedingten Willen am Festhalten an einer zweifelhaften Tradition, den Schokokuchen mit einem definitiv nicht vorhandenen Hemd zu bekleiden.

Der M* als unverzichtbare Verkaufsstrategie ist emotional besetzt. Auch ein Bier lässt sich damit besser verkaufen. Mit dem Vorurteil, in Vorarlberg wird nur Käse produziert, müssen wir unbedingt aufräumen. Das Vorarlberger M*bräu ist ein internationaler Verkaufsschlager. Der M* im Logo des Unternehmens eine Marke von  unschätzbarem Wert, wie der Marketingleiter des Unternehmens versichert. Die Frage, ob sich das Bier ohne den M* im Logo nicht verkaufen lässt, drängt sich auf. Der Geschmack des Exotismus als Bonusfaktor. Vielleicht ist es aber auch die Darstellung des „exotischen“ Herrn auf dem Logo, der jahrhundertealte Zuschreibungen von vermeintlich afrikanischem Aussehen erfüllt.

Als der Journalist simon INOU und der Künstler Mara Niang letzte Woche ein neues Logo für den Vorarlberger Bierproduzenten präsentierten, kippte die Bierwelle der Empörung schnell in die Ignoranz. Reden wir nicht mehr darüber. Das schnelle Vergessen zählt zu den tradierten Werten in Österreich. Ganz so wie stereotype Darstellungen von Schwarzen Menschen.

Nicht der Rede wert, weil ja ohnehin alles nicht so gemeint ist.

Nun ist es an der Zeit, aus dem Koffer der Vorurteile über Afrika ein mächtiges Werkzeug auszupacken, die Zauberei. „Möge überall dort, wo der M* symbolisch verortet ist und geschluckt wird, ein undefinierbarer Husten ausbrechen.“

Entschuldigung, ist nicht so gemeint. Ehrlich! „Fürchte dich nicht, Bleichgesicht!“ eine Zeile aus einem Gedicht von May Ayim ist der Gegenzauber. Ehrlich, aber jetzt!

 

www.m-media.at







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