Datum: 21.11.08 21:53
Kategorie: Österreich-Politik

Von: Florian Lems

Österreich: Größte Massenabschiebung der EU findet heimlich in Wien statt

Wien. Abschiebungen gibt es fast täglich – aber noch nie zuvor in dieser Dimension. Am Freitag wurden 71 ab­gelehnte Asylwerber aus elf EU-Staaten in ihre Heimat gebracht – per Charter-Maschine vom Flughafen Wien-Schwechat, direkt nach Lagos (Nigeria) bzw. weiter nach Banjul (Gambia). Die Öffentlichkeit wurde dar­über nicht informiert.

Hier die Details dieser Abschiebung:

  • Die Abschiebung fand in der Nacht von 14. auf den 15. November statt
  • Eigentlich hätten 79 abgelehnte Asylwerber abgeschoben werden sollen. Bei acht von ihnen waren aber die Papiere nicht in Ordnung, sie mussten wieder in die jeweiligen EU-Staaten zurückgebracht werden.
  • Es war die bisher größte Charterabschiebung der EU, bisher üblich waren Flüge mit 15-20 abgelehnten Asylwerbern.
  • Asylwerber kamen per Flugzeug und Bahn aus Frankreich, Spanien, Polen, Slowenien, Deutschland, Schweiz, Luxemburg, Niederlande, Italien, Großbritannien und Österreich (aus Österreich: laut einer Quelle 3 Gambier, 2 Nigerianer).
  • An Bord war ein Arzt und zwei Menschenrechtsbeobachter (1 aus Niederlande, und Günter Ecker/Verein Menschenrechte für Österreich) plus 1 Beobachter von Frontex.
  • Pro „Abzuschiebendem“ waren 2,6 Polizisten an Bord, ergibt hochgerechnet 185. Vorgeschrieben sind 2 pro Asylwerber. Insgesamt waren 260 Menschen in der Airbus 330-300.
  • Ein „Voraus-Kommando“ (3 österr. Beamte, 1 Frontex-Mitarbeiter) ist am 12. November nach Lagos und Banjul geflogen, um die Ankunft vorzubereiten und die dortigen Behörden zu briefen.
  • Die „Abzuschiebenden“ wurden gefesselt in die Maschine gebracht, die ersten 30-45 Minuten mussten sie die Handschellen anbehalten. Als die Reisehöhe erreicht war, wurden sie abgenommen. Günter Ecker: „In begründeten Einzelfällen blieben ein Paar Leute bis zur Landung in Lagos gefesselt.“
  • Maximal 24 Stunden vor dem Abflug wurde die Reisetauglichkeit der Menschen ärztlich untersucht.
  • Ein Mann aus Nigeria flog freiwillig mit, weil er so viel Übergepäck hatte. Er hat sich durch den Abschiebeflug die Übergepäck-Kosten gespart (wollte ohnehin zurück nach Nigeria).
  • u.a. weil niemand davon wusste, gab es keine Kundgebung am Flughafen. Nur ein geistig Verwirrter 24-Jähriger versuchte aufs Rollfeld zu kommen. Gegenüber Caritas-Mitarbeitern am Flughafen gab er sich als UNO-Mitarbeiter aus. Wie gesagt, kein echter Aktivist, sondern ein Verwirrter.
  • Laut FRONTEX kostete  diese Abschiebung  569.535, 03 Euro für 71 Asylwerber

 

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Kosten pro Abgeschobener: 8021 Euro







Kommentare
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Irmtraut Karlsson aus wien

Montag, 24-11-08 07:16

Man kann keinen Krimi mehr schreiben, die wirklichkeit holt einen immer ein. 2005 habe ich in einem kurzkrimi in meinem buch (Mordsschmankerln- Mehlspeiskrimis) über unkontrollierte geheime Massenabschiebungen geschrieben. In der Geschichte kommen auf dem Flug mehrere der abgeschobenen Personen zu Tode. In meiner Geschichte fliegt die Sache auf, aber wie wäre das in der Wirklichkeit? wir würden es kaum erfahren.
Mit viel erfolg für eure gute Arbeit
Irmtraut Karlsson

 
 
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