Datum: 18.12.08 10:44
Kategorie: Deutschland-Politik

Von: Berliner Zeitung/Frank Nordhausen

Hungerstreik für einen deutschen Pass

Hungerstreik für einen deutschen Pass
Deutsch-togoisches Paar kämpft für Bleiberecht

BERLIN. Gergi Liebl strahlt über das ganze Gesicht. Der achtjährige Junge hat Besuch bekommen im Krankenhaus Köpenick. 23 Kinder sind mit ihrer Lehrerin gekommen, sie haben ganz viele Weihnachtsgeschenke mitgebracht. "Und dann haben wir gespielt", sagt Gergi. Für einen Augenblick hat er vergessen, warum er im Krankenhaus ist und nicht wie die anderen zur Schule kann. Gergi ist hier, weil seine Mutter einen Hungerstreik begonnen hat. "Ich habe keine andere Möglichkeit mehr, um auf unser Schicksal aufmerksam zu machen", sagt die dunkelhäutige Frau.

Abschiebung nach Regensburg

In den vergangenen Tagen hat die Berliner Zeitung mehrfach über die Familie Liebl berichtet. Ginette Liebls Mann Gerson wurde gestern morgen überraschend aus dem Abschiebegefängnis Grünau nach Regensburg verlegt, obwohl er ebenfalls im Hungerstreik ist. Gerson Liebl sei nun wieder im Bereich der für ihn Zuständigen, sagte ein Sprecher des Ausländeramtes in Straubing, dem Wohnort der Liebls.

Gerson Liebl ist ein schwarzer Spätaussiedler aus Togo. Sein bayrischer Großvater, ein Kolonialarzt, ließ seine afrikanische Familie 1911 im Stich, als er aus Togo in Westafrika wieder zurück nach Straubing ging. 1991 kam sein Enkel, Gerson Liebl, nach Deutschland, um hier seine Wurzeln zu suchen. Weil aber die kaiserlich-kolonialen Rassegesetze nie annulliert wurden, darf Gerson Liebl kein Deutscher werden. Jetzt droht ihm und seiner Familie nach 18 Jahren die Abschiebung nach Togo. Das Angebot, nach der Altfallregelung in Deutschland zu bleiben, lehnt Liebl aus Stolz ab.

"Ich möchte jetzt in Berlin bleiben, um meinen Mann von hier aus zu unterstützen, wo die deutsche Regierung ist", sagt Ginette Liebl, die ebenfalls von der Abschiebung bedroht ist. Gestern bekam sie Besuch von Evrim Baba, Mitglied der Fraktion der Linken im Abgeordnetenhaus. "Frau Liebl, wir möchten Ihnen helfen, ein Bleiberecht und die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten", sagt Evrim Baba. Sie versucht, ihr zu erklären, dass eine Änderung der Kolonialgesetze ad hoc nicht möglich sei. Sie hat den Berliner Flüchtlingsrat eingeschaltet.

Evrim Baba ist nicht die Einzige, die den Spätaussiedlern helfen will. "Wir werden alles tun, um die medizinische Versorgung zu gewährleisten", sagt der Chefarzt des Krankenhauses, Hartmut Kern. Aber er brauche das Zimmer bald für andere Patienten. In Berlin haben Mutter und Sohn keine andere Unterkunft, Frau Liebl hat auch keinen gültigen Ausweis. Gergi würde gern mit Mutter und Vater Weihnachten feiern. Aber dafür müsste sich jemand bewegen - seine Eltern oder der Staat.

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Quelle: BERLINER ZEITUNG

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