Datum: 25.12.08 23:24
Kategorie: Deutschland-Politik

Von: Bergsträßer Anzeiger/Karl-Heinz Schlitt

Ausländerrecht-Deutschland: Familienzusammenführung mit Hindernissen

"Wir wollen kein krummes Ding drehen"

Hessen/Heppenheim/Bergstraße. Horst Hein ist sauer. Und wütend. Das Weihnachtsfest ist dem 55 Jahre alten Altenpfleger aus dem Rimbacher Ortsteil Zotzenbach gründlich verdorben - und mehr noch der Mutter seines 13 Monate alten Sohnes.

Massandja Camara ist Schwarzafrikanerin. Sie stammt von der Elfenbeinküste. In dem westafrikanischen Land hat Horst Hein eineinhalb Jahre lang für die Hilfsorganisation Cap Anamur ein Zentrum für unterernährte Kinder aufgebaut und als Pfleger im Grenzgebiet Kranke behandelt. Dabei lernte er die inzwischen 32 Jahre alte Arzthelferin Massandje Camara kennen und lieben.

Im November vorigen Jahres wurde der gemeinsame Sohn Alexander Djimon geboren - in Deutschland, nachdem die Mutter zur Entbindung ein zunächst befristetes Einreisevisum erhalten hatte. Nach dem Gesetz, das die Staatsbürgerschaft nach dem so genannten Territorial-Prinzip ermöglicht, ist Alexander Djimon mit seiner Geburt Deutscher - und seine Mutter damit im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis.

In der Elfenbeinküste ohne Zukunft

So weit, so gut für Horst Hein und seine Partnerin. Bis zum kompletten Familienglück haben die beiden aber schon viele Nerven gelassen. Massandja Camara hat nämlich noch ein zweites Kind. Das zehn Jahre alte Mädchen hat sie in der Elfenbeinküste zurückgelassen. Dort war Alexander Djimons Stiefschwester in der Obhut ihres Opas gut aufgehoben - bis der Großvater im Frühjahr überraschend starb. Von nun an begann für die Zehnjährige ein Martyrium - und für Horst Hein der lange Marsch durch die Institutionen.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz pocht der Odenwälder, der als Altenpfleger sein Geld verdient, auf Familienzusammenführung. Dafür setzt er alle Hebel in Bewegung. Denn in der Elfenbeinküste, glaubt er, hat das Mädchen keine Zukunft.

Seit dem Tod des Großvaters bestimmt die Schwester der Kindsmutter, was die nun ihr anvertraute Kleine zu tun und zu lassen hat. Statt in die Schule wird sie jeden Morgen in aller Herrgottsfrüh zum Schuften auf den Markt geschickt und danach noch stundenlang mit Hausarbeit eingespannt. Horst Hein drängt darauf, dass die Kinderarbeit schnellstmöglich ein Ende hat.

Dafür müssen aber erst einmal die Papiere komplett sein. Und an dieser Stelle hakt es: Der leibliche Vater des Mädchens ist unbekannt. Deshalb hat Hein seinen Namen in die Geburtsurkunde eintragen lassen - und brachte damit die deutsche Botschaft in der Elfenbeinküste auf den Plan. Um einen Visumantrag für das Kind stellen zu können, mussten die Papiere wieder auf die Mutter umgeschrieben werden.

Seit dem 24. November liegen die Unterlagen beim Ausländeramt in Heppenheim. Dort hegt man offenbar Zweifel, ob Massandje Camara auch wirklich die Mutter der Zehnjährigen ist. Horst Hein hält dies für eine "Unverschämtheit". Die von ihm vorgelegten Fotos, auf denen das Mädchen der "Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist", reichten der Behörde als Identitätsbeweis jedenfalls nicht. Das Landratsamt besteht auf einem Gentest.

Hein sieht darin eine "Diskriminierung von Ausländern" - und lehnte zunächst ab: "Es geht mir ums Prinzip und nicht ums Geld", versichert er, obwohl die Kosten von an die tausend Euro für den vierfachen Vater nicht von Pappe sind. "Dass man der Mutter unterstellt, sie wolle ein krummes Ding drehen", findet Horst Hein genauso "ungeheuerlich" wie den DNA-Abgleich an sich. "Wer garantiert mir, dass mit den Daten nicht Schindluder getrieben wird?", ereifert sich Hein.

"Was kann die Mutter dafür?"

Trotzdem hat er es sich inzwischen anders überlegt und das rechtsmedizinische Institut in Heidelberg mit der Durchführung des Testes beauftragt. Nur: Dafür wird erst einmal das Aktenzeichen der Ausländerbehörde benötigt. Von dort wurde gestern damit vertröstet, dass der zuständige Sachbearbeiter in Weihnachtsurlaub sei und erst am 7. Januar wieder an seinem Schreibtisch erwartet werde.

So lange will Horst Hein nicht warten: "Meine Partnerin und ihr erstes Kind können doch nichts dafür, dass in der Elfenbeinküste jahrelang Bürgerkrieg herrschte und das Urkundenwesen nicht das beste ist."

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Quelle:

Bergsträßer Anzeiger
24. Dezember 2008

 







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