Datum: 26.12.08 00:04
Kategorie: Deutschland-Gesellschaft

Von: Münsterländische Volkszeitung/Helene Wenkter

Wie feiert man Weihnachten in der Demokratischen Republik Kongo?

„Da wird gefeiert wie Karneval“

Gescher - Deutschland: Vieles ist in der Wahlheimat so anders als in seinem Geburtsland, dem Kongo. Aber im Winter fällt es Yakala Kayila und seiner Frau Veronique besonders auf. Solche Kälte kennen sie nicht. Natürlich habe man sich in elf Jahren an die Temperaturen gewöhnt, lächelt der Mann aus Afrika. Aber dass sich die Menschen dann verkriechen, dass sie ihm ohnehin so zurückgezogen erscheinen – das alles fällt in der kalten Jahreszeit deutlicher auf.

Auch die Weihnachtszeit hat der Mann aus dem Kongo ganz anders in Erinnerung. Denn Weihnachten in seiner Heimat, sagt er und lacht, „das ist wie hier Karneval.“ Richtig munter wird er, wenn er von den großen Festen erzählt, die dann gefeiert werden. Dekoriert wird nicht mit Weihnachtsbäumen, sondern mit Palmen. „Dann singen, trinken und tanzen die Leute, und alle laden sich gegenseitig ein.“ Die Verwandten, die Nachbarn, die Freunde. Sie kommen zusammen, Lamm und Ziege werden gegrillt und genüsslich verspeist. Damit das Ganze für die Gastgeber bezahlbar bleibt, tragen die Geladenen finanziell zur „großen Sause“ bei. Und Weihnachtsgeschenke gibt es natürlich: Geld, Kleidung, ähnlich wie hier, sagt Kayila.

Am 24. Dezember gehen die meisten Menschen auch zum Gottesdienst, denn im Kongo seien 90 Prozent der Bevölkerung Christen. Er selbst gehöre der evangelischen Glaubensgemeinschaft an. Um ein bisschen Heimat in der Ferne zu spüren, fährt er mit seiner Frau und den drei Kindern zu Weihnachten nach Dorsten zur evangelischen freikirchlichen Gemeinschaft. Denn dort wird die Predigt in Französisch und der Gottesdienst in seiner Muttersprache Lingala gehalten.

Ansonsten, sagt Kayila, feiere er mit der Familie Weihnachten eher nach deutschem Brauch: Zurückgezogen – vielleicht kommen mal ein paar Kollegen. Und statt Ziege und Lamm grillt man in Gescher ein Hähnchen; dazu gibts Salat, Kartoffeln, „was wir gerade haben.“

Am 1. April 1997 kam das Ehepaar Kayila nach Gescher. Aus dem Kongo waren die beiden wegen politischer Unruhen geflohen. Bis heute sei es schlecht um sein Heimatland bestellt, und wirtschaftlich sehe es dort ganz duster aus, sagt der 40-Jährige.

Drei Kinder hat das Paar; alle wurden in Gescher geboren. Arbeit fand der Afrikaner bei der Firma Westfleisch. Doch inzwischen sei er leider arbeitslos, sagt er mit Bedauern. So bestreitet Kayila derzeit einen so genannten Integrationskurs, zu den ihn der Kreis Borken neun Monate lang verpflichtet hat. Das auch, um seine Sprachkenntnisse nochmal aufzupäppeln. Denn Deutsch sei eine schwere Sprache, und viele Worte müsse man einfach kennen lernen, „sonst klappt es nicht – weder in der Arbeitswelt noch sonst wo“, sagt Kayila. Das deutsche Wörtchen „Möglichkeit“ gehöre in diesen unverzichtbaren Sprachschatz rein. Ein ganz wichtiges Wort, hat der Mann aus dem Kongo entdeckt. Er selbst wünscht sich in dieser Jahreszeit sicher neue Möglichkeiten für sich und seine Familie – oder wie er sagt, „dass alles gut geht und dass wir alle miteinander gesund bleiben.“

Quelle: Münsterländische Volkszeitung

 







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