Datum: 06.01.09 22:36
Kategorie: Deutschland-Gesellschaft

Von: Fuldaer Zeitung/Sabine Burkardt

Sekou Bamba ist karnevalistische Hoheit im Bundesland Hessen

(c) Burkhardt

 

Ein Fastnachtsprinz mit Königsblut

Marktgemeinde EITERFELD, Hessen -  „Es kommt immer anders, als man denkt“, sagt Sekou Bamba und schmunzelt. Und seine Freunde sagen über ihn: „Sekou ist immer für eine Überraschung gut.“ 

Die ist ihm nun mehr als gelungen: Der Ivorer, der im Eiterfelder Ortsteil Buchenau wohnt, regiert mit seiner Frau Candida als karnevalistische Hoheit des Eiterfelder Carneval Vereins (ECV). Er ist der erste Schwarze auf einem Fastnachtsthron in Osthessen – und damit schon jetzt eine kleine Sensation und Gesprächsthema Nummer eins im hohen Norden des Landkreises. Dabei war der von der Elfenbeinküste stammende 51-jährige Diplom-Mathematiker und Physiker bis vor zwei Jahren noch ein richtiger Fastnachtsmuffel. „Reinste Zeitvergeudung“, rief er seiner Frau hinterher, wenn diese sich als Fastnachtsfan auf den Weg in den Trubel machte. Das änderte sich, als er völlig ahnungslos einer Einladung zur Probe der Gruppe „Männer von Sinnen“ folgte, die als ein Highlight im Programm der Eiterfelder Fastnacht gelten. Am Ende des Abends fand sich ein überraschter Sekou Bamba als Tänzer in der Gruppe wieder. Er entdeckte dabei eine neue Leidenschaft und konnte sich dann auch gut vorstellen, vor großem Publikum mit den „Männern von Sinnen“ aufzutreten – bis er das Kostüm sah. „Das zieh ich nicht an“ war seine Meinung zu dem „Hauch roter Damenwäsche“. Dass er doch noch auftrat, lag an dem spontanen Witz und der guten Gemeinschaft innerhalb der Gruppe.Im folgenden Jahr 2008 war der Ivorer voll integriert und als „König Tomba“ mit seinen „Männern von Sinnen“ dann der absolute Knaller bei der Eiterfelder Fastnacht. Als er von ECV-Präsident Mathias Herber schließlich gefragt wurde, ob er es sich vorstellen könne, mit seiner Frau das neue Eiterfelder Prinzenpaar zu werden, bat sich das Ehepaar Bedenkzeit aus. „Wir hatten keine Ahnung, was da auf uns zukommt“ erzählt Bamba. Seine Frau Candida war zunächst alles andere als begeistert. Da der Diplom-Mathematiker beruflich sehr eingespannt ist, hatte sie Bedenken, dass ihre Rolle als Prinzenpaar zu viel Zeit in Anspruch nehmen könnte. Sie berieten sich mit ihren engsten Freunden und sprachen mit ehemaligen Prinzenpaaren. Nach drei Tagen sagten Sekou und Candida Bamba: „Ja, wir machen das“. Ausschlaggebend war dabei, dass viele Freunde und vor allem der Elferrat ihre Unterstützung zusagten. „Die Auftrittstermine sind bis ins kleinste Detail durchorganisiert. Man hat nie das Gefühl, allein zu sein. Das macht es uns leichter“, beschreibt der Prinz seine Erfahrungen nach den ersten Auftritten.

Lebensfrohe, offene Art


Die Entscheidung für die beiden Buchenauer als Prinzenpaar hätte treffender nicht sein können, denn in Sekou Bambas Adern fließt tatsächlich echtes königliches Blut. „Meine Mutter ist ein Mitglied der königlichen Familie. Sie ist eine Prinzessin“, erklärt der Karnevalsprinz seine adeligen Wurzeln. Er wurde in Korhogo, im Norden der Elfenbeinküste, geboren, und hat noch dreizehn Geschwister. Seine Familie an der Elfenbeinküste weiß nichts von seinem Amt als Karnevalsprinz. „Sie wären nur verwirrt und erschrocken, weil sie damit nichts anfangen könnten“, sagt Sekou Bamba, der zum katholischen Glauben übergetreten ist. In seiner Heimat ist Fasching weithin unbekannt. Ob er Angst vor den vielen Aufgaben in den nächsten Wochen habe? „Nein“, sagt der Afrikaner ganz entschieden. Sein ganzes Leben lang habe er immer wieder vor neuen Herausforderungen gestanden, die ihn sicher und selbstbewusst gemacht haben, erzählt er. Nach dem Abitur an der Elfenbeinküste erhielt er unter 15 000 Bewerbern ein Stipendium für ein Mathematik-Studium in Paris. Nach Osthessen verschlug es ihn durch Zufall: Während seiner Zeit als Lehrer in Frankfurt sah er eines Tages einigen Bauarbeitern auf einer Baustelle zu. Er bekam große Lust, mit anzupacken und arbeitete spontan ein Jahr lang auf der Baustelle mit.

Der Bauunternehmer aus dem Kreis Fulda stellte später den Kontakt in die Region her. In Fulda arbeitete er an der Handelsschule Hermann als Lehrer für Mathematik und seine Muttersprache Französisch, bevor er einige Jahre als Lehrer für Mathematik und Physik an der Hermann-Lietz-Schule Schloß Hohenwehrda in Haunetal tätig war.

Als er seine Frau Candida kennen lernte, kam er zum Entschluss: „Hier bleibe ich“. Er lebt nun mit seiner Familie in Buchenau und fühlt sich pudelwohl. Fremdenfeindlichkeit sei ihm hier noch nie begegnet. Im Gegenteil: Egal, wo er sich aufhält, ist er gleich von Menschen umringt. Besonders Jugendliche kommen gerne auf ihn zu. Das liegt zum großen Teil auch an seiner lebensfrohen, offenen und herzlichen Art, mit der er auf andere zugeht.

In Eiterfeld hat er sich mit seiner Frau im Jahre 2005 einen Traum erfüllt und die „Lernakademie Bamba“ gegründet, zu der auch Zweigstellen in Hünfeld und Fulda gehören. „Man muss flexibel und mutig sein, um seine Ziele zu erreichen“, sagt Bamba – denn schließlich kommt es immer anders, als man denkt.


---
Quelle: FULDAER ZEITUNG







Kommentare

Keine Einträge

Kommentarformular

öster News from Österreich News from Deutschland News from Schweiz News from Österreich News from Deutschland News from Schweiz
27. Mai
2019mehr
Montag

Suchen & Finden



Letzte Kommentare

Keine Einträge

designed and implemented by BILCOM