Kategorie: Österreich-Politik

Am Omofumaplatz

Grace Latigo, Mike Brennan, Patrick Bongola

Bright Oyairo mit Omofuma Plakat

Schwarzer Exekutivbeamter wird gejubelt
Wien, 1.Mai 2009, afrikanet.info - „Was spielt ihr mit uns, russisches Roulette“, ruft Grace Latigo, Moderatorin der Demonstration, angesichts der Ereignisse, die sich in den letzten Jahren zwischen Polizei und Migranten abgespielt haben, in die Menge. „Stop killing our people“, fordert Patrick Bongola aka Topoke, der die Demonstration mitmoderiert und mit kritischen Liedtexten musikalisch unterstützt.
1.Mai. Für die einen Staatsfeiertag, Staatstrauertag für die anderen. Das Wetter trifft viele unerwartet. Doch auch der Regen, der unerbittlich auf Köpfe und Erde niederprasselt, kann diese Menschen nicht aufhalten zu demonstrieren. Von hier und da hört man den ein oder anderen sinnieren: „Der Himmel weint.“
1. Mai 2009. 14 Uhr. Omofumaplatz
Um 14 Uhr versammeln sich zahlreiche Menschen an der Ecke Mariahilferstraße/ Museumsplatz, rund um den Gedenkstein zu Ehren Marcus Omofumas zu einer Kundgebung und anschließender Demonstration. Schwarze, Weiße, Linke, Grüne, Menschenrechtsaktivisten und Betroffene, wie Mike Brennan finden sich ein, um Omofuma und anderen bekannten und unbekannten Opfern von Rassismus zu gedenken- friedlich und gemeinsam. Auch Persönlichkeiten wie Alev Korun und Ute Bock lassen es sich nicht nehmen, die Demonstranten zu begleiten. Wofür hier wohl gekämpft wird fragen sich Passanten merklich. Unbestritten die Antwort: Für die Einhaltung der Menschenrechte und gegen Rassismus! „Mord verjährt nicht! Omofuma- zehn Jahre danach“, prangt auf den Schildern der Demonstranten. Und allerorts wird die Frage diskutiert? Zehn Jahre später- und was ist passiert?
Doch was geschieht damals im Jahre 1999 eigentlich, dass so viele Menschen nicht vergessen, noch vergeben können und worüber Andere nach zehn Jahren im Grunde gar nicht mehr sprechen wollen? Marcus Omofuma, ein nigerianischer Asylwerber wird bei seiner Abschiebung nach Nigeria von drei Fremdenpolizisten am Flugzeugsitz fixiert und mit Klebeband so fest der Brustkorb und das Gesicht verklebt, dass er nicht mehr in der Lage ist zu atmen. Der Asylwerber stirbt als Folge dieser Misshandlung nach einem äußersten langsamen Todeskampf, den ein Gutachter im Bereich von 20 bis 60 Minuten einschätzt.
Ute Bock: "Das ist kein Ausländerproblem, sondern ein Inländerproblem"
Zurück zur Demo: Die Polizei steht und geht mit. Eine blaue Mauer aus Exekutivbeamten formiert sich mit gebührendem Abstand rund um die Demonstranten. Und doch steht die Polizei bei dieser Demonstration im Mittelpunkt- im Kreuzfeuer der Kritik. „Die Polizei ist ja nicht rassistisch“, erklärt einer Sprecherin der Polizei, die die Exekutivbeamten begleitet. Die Polizei handle gegen alle Personen gleich. „Das hat nichts mit der Hautfarbe zu tun.“ Hier ortet Patrick Bongola einen Wunschtraum seitens der Sprecherin. Denn „die Realität zeigt ein anders Bild.“ Jüngstes Beispiel: Mike Brennan, Lehrer an der Vienna International School, der im März von Polizisten verwechselt und geschlagen wird. Er empfindet, Trauer darüber, dass solche Ereignisse in Österreich üblich zu sein scheinen.
“Das ist kein Ausländerproblem, sondern ein Inländerproblem”, erklärt Ute Bock in ihrer Rede. Hier, meint sie, sollte die österreichische Bevölkerung stehen, die menschliche Lösungen fordert und die Behandlung, wie sie Migranten zu Teil wird, zutiefst ablehnt. Dass ganze Familien aus Traiskirchen vor die Tür gesetzt würden und in Wien herumirrten, das könne nicht sein. Wenn es vielleicht auch in Europa so sei, „bei uns soll es so nicht sein.“ „Ute Bock for Präsident“, ertönt es nach ihrer Rede aus der Menschenmenge. Frau Bock scheint die Euphorie um ihr Erscheinen nicht nachvollziehen zu können. Diese Frau wird hier gefeiert, wie eine Heldin. Und für viele der Anwesenden, scheint sie dies auch zu sein.
Marschiert wird vom Museumsplatz ausgehend, in Richtung Parlament, wo Halt gemacht wird um eine Zwischenkundgebung abzuhalten. Mike Brennan bittet um Ruhe, um den vielen Opfern von Rassismus zu gedenken. Und es wird still.
Schwarzer Exekutivbeamter wird gejubelt
Schwarzenbergplatz: „Was sehen meine Augen da“, ertönt es auf dem Weg durch die Straßen des ersten Bezirks. Patrick Bongola scheint etwas entdeckt zu haben. Die Menschenmasse bricht in ohrenbetäubenden Jubel aus. Siehe da: ein schwarzer Exekutivbeamter. Er heißt Embe Kandolo. Die Menschen stürmen zu ihm, um seine Hand zu schütteln, zu gratulieren, ihrer Freude und Stolz Ausdruck zu verleihen. Der Jubel könnte nicht größer sein, wenn US-Präsident Barack Obama höchstpersönlich erschienen wäre. Denn, der Polizist wirkt an diesem traurigen Tag wahrhaftig wie ein Symbol der Hoffnung. Ein Symbol so selten und unglaublich, dass so manch einer mit ihm auf einem Foto abgelichtet sein möchte, um es als Beweis davonzutragen.
Letzte Station: Stadtpark- gegen 18 Uhr endet hier die Demonstration. Für viele nicht mehr als eine schöne Grünanlage inmitten von Wien, doch für die Demonstranten und vor allem für Bekannte und Freunde von Seibane Wague, der im Juli 2003 hier sein Leben verliert, ein schmerzlicher Ort mit schmerzlichen Erinnerungen.
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Fotostrecke zur Omofuma Demonstration
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