Datum: 01.06.09 20:19
Kategorie: Österreich-Politik

Von: Kurier/Conny Bischofberger

Mike Brennan im Kurier: "Nichts mehr ist so, wie es war"

Mike Brennan - afrikanet

Mike Brennan im Interview über Trauma und Genesung, Rassismus und Web-Solidarität und den Tag, an dem er an seine Schule zurückkehrt.

Zwei Drogenfahnder der Wiener Polizei halten in der U-Bahn-Stadtion Spittelau einen falschen Mann an, dieser wird bei der Amtshandlung schwer verletzt. Der Sonntag-KURIER deckt den Vorfall auf und Mike Brennan, Sportlehrer an der Vienna International School, geht in der Folge durch die Weltpresse.

Im World Wide Web wird er zur Symbolfigur gegen Rassismus, auf Facebook bildet sich eine Gruppe, die "Justice for Mike Brennan" fordert. Am 4. Juni in der "Szene Wien" findet ein Benefizkonzert für den US-Amerikaner statt. Im Interview mit dem KURIER erzählt Mike Brennan, wie der 12. Februar 2009 sein Leben verändert hat.

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KURIER: Wie geht es Ihnen, Mike?
Mike Brennan: Viel besser, danke! Ich war am Freitag zu einem Check-up im Krankenhaus und bin endlich gesundgeschrieben worden. Ich bekomme noch Physiotherapie, aber ich kann wieder normal gehen und meinen Students Turnübungen zumindest vorzeigen. Am Mittwoch kehre in an meine Schule zurück. Ich habe die Kinder und meine Lehrerkollegen schon so vermisst.

In einem amtsärztlichen Gutachten steht, Ihre Verletzungen stammten eher von einem Sturz als von Misshandlungen.
Das ist schon möglich. Ich habe nie behauptet, dass meine Verletzungen von den Schlägen stammt. Immerhin war einer der Fahnder auf mir drauf, als ich zu Boden gezerrt wurde. Ich stieg aus der U-Bahn und wurde aus heiterem Himmel niedergeschlagen.

Haben die Beamten sich bei Ihnen entschuldigt?
Nein. Dabei hätte einer von ihnen das sogar persönlich tun können. Ich habe ihn nämlich am 29. März wieder in der U4 getroffen. Er hat mich gesehen und kein Wort zu mir gesagt, sondern mich gefilmt. Also hab' ich auch mein Handy ausgepackt und mitgefilmt. Das Video habe ich meinen Anwalt übergeben. Ich wünschte mir, dass immer mehr Menschen in Österreich beginnen, ihre Handys und
Kameras zu benutzen, wenn ihnen Vorfälle seltsam vorkommen. Man kann es ja wieder löschen. Take action, you know.

Wissen Sie etwas über den letzten Stand der Ermittlungen?
Vergangene Woche wurden ich und meine Freundin getrennt einvernommen. Auch die beiden Fahnder und weitere Zeugen sind befragt worden. Erst in den kommenden Wochen entscheidet sich, ob Anklage erhoben wird oder nicht. Ich selbst habe mit der Polizei kein Problem, ich habe nur ein Problem mit den Männern, die mir das angetan haben.

Inwiefern hat das, was passiert ist, Ihr Leben verändert?
Nichts mehr ist so wie es war. Ich bin so wachsam geworden, nehme j ede kleinste Regung um mich herum viel intensiver wahr. Komischerweise passe ich sogar auf andere, fremde Menschen, auf. Die fünf Wochen, in denen ich nicht ohne Krücken gehen konnte, waren furchtbar. Als Sportlehrer und ehemaliger Football- Profi bin ich es nicht gewohnt, meinen Körper so verletzt zu erleben. Ich habe mich gefragt, ob er je wieder so funktionieren würde wie früher.

Sind "bad feelings" gegenüber unserem Land zurückgeblieben?
Oh nein. Ich bin gern in Österreich. Ich werde nicht zulassen, dass ein einziges böses Ereignis über mein künftiges Leben entscheidet. Ich will ein Vorbild für meine Schüler sein. An Problemen müssen wir wachsen, nicht zerbrechen.

Wenn es stimmt, dass es sogar in den dunkelsten Momenten ein Licht gibt, was ist dieses Licht?
Die unglaubliche Solidarität. Mutige Menschen in Österreich und weltweit stehen hinter mir, trotz unerhörten Gerüchten, ich hätte simuliert. Ich kann dazu nur so viel sagen: Die Schmerzen, die ich hatte, wünsche ich nicht einmal denen, die diese Gerüchte in die Welt gesetzt haben.

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Benefizkonzert "Justice for Mike B." Szene Wien, 4. Juni 2009 - Line-Up: Stereotyp, Iriepathie, Defcon, the Attention!, Texas Music Revue. Tickets in den Bank-Austria-Filialen und in der Szene Wien (Vorverkauf 12, Abendkassa €14).

 

 

 

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Quelle: KURIER

erschienen 30.5.2009, S. 21

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