Datum: 02.06.09 12:04
Kategorie: Österreich-Politik

Von: Universität Wien/Friedrich Schipper

Desmond Tutu erhält ein Ehrendoktorat der Universität Wien

Ubuntu als theologische Antwort auf Armut, Diskriminierung und AIDS:  

Der südafrikanische Theologe und Friedensnobelpreisträger Dr. Desmond Tutu wird am 12. Juni 2009 von der Universität Wien mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.   

Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien begründet die Verleihung des akademischen Grades eines „Doktor der Theologie honoris causa“ an den Desmond Tutu mit seinen Leistungen um die Begründung und Entwicklung der Ubuntu-Theologie.  

Das Wort Ubuntu, das aus der südafrikanischen Nguni-Sprache kommt, lässt sich mit Begriffen wie „Menschlichkeit“ und „Gemeinsinn“ umschreiben. Ubuntu ist zunächst eine afrikanische Lebensphilosophie und beschreibt das Bewusstsein, dass man selbst Teil eines Ganzen ist. Sie beruht auf einer Grundhaltung, die sich vor allem auf wechselseitigen Respekt und Anerkennung, Achtung der Menschenwürde und das Bestreben nach einer harmonischen und friedlichen Gesellschaft stützt, aber auch für den Glauben an ein universelles Band des Teilens eintritt, das alles Menschliche verbindet.  

Desmond Tutu hat die Grundeinsichten dieser afrikanischen Lebensphilosophie nun in die Theologie integriert. Tutus Ubuntu-Theologie besagt, dass man nie ein Mensch in Isolation sein kann, dass man nicht für sich allein menschlich sein kann. Wir sind im Netzwerk der wechselseitigen Abhängigkeit gefangen; wir können nur gemeinsam frei sein; wir können nur gemeinsam sicher sein; wir können nur gemeinsam wohlhabend sein; wir können nur gemeinsam menschlich sein. 

 Tutu hat seine Theologie im Kontext des südafrikanischen Apartheid-Regimes (1948-1990) entwickelt und konnte sie im Zuge seiner Arbeit als Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungskommission entfalten. Teil des kolonialistischen Erbes war auch eine theologische Spielart gewesen, in der Gottes Wille rassisch interpretiert worden war: Gottes Gericht erfordere die Aufteilung der Menschen in Rassengruppen, wobei die Weißen dominant, alle anderen untergeordnet sein würden. Vor diesem kolonial-europäischen theologischen Hintergrund brachte Tutu eine afrikanische Theologie hervor, die versucht, die Menschlichkeit der Unterdrücker wiederherzustellen, indem sie die Unterdrückten dazu befreit, ihre Unterdrücker als Gleiche vor Gott zu sehen. Tutu zeigt, dass der Mensch nicht durch seine Rasse definiert ist, sondern durch Gottes Ebenbildlichkeit, die allen Menschen Würde verleiht und alle Rassenschranken zerbricht. Erst dadurch wird es möglich, gemeinsam – in Gemeinschaft – menschlich zu sein und Diskriminierung, Unfriede und Armut zu überwinden. Das aktuelle Feld der Ubuntu-Theologie ist Desmond Tutus Kampf für eine Gleichberechtigung Homosexueller und gegen die Ausbreitung von HIV und der AIDS- Epidemie in Südafrika, wobei ihm die Sorge um AIDS-Waisenkinder ein besonderes Anliegen ist. Für diese setzt er sich u.a. auch mit seiner „Desmond Tutu HIV Foundation“ ein, zu deren Gunsten die Universität Wien ein eigens konzipiertes Benefizkonzert veranstaltet.

----------

Die Akademische Feier findet am Freitag, den 12. Juni 2009, um 11 Uhr, im Großen Festsaal der Universität Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien statt. Zu Gunsten der „Desmond Tutu HIV Foundation“ wird am Samstag, den 13. Juni 2009, um 17 Uhr, ein Benefizkonzert in der  Lutherischen Stadtkirche, Dorotheergasse 18, 1010 Wien stattfinden. – Beide Veranstaltungen sind öffentlich!

---------- 







Kommentare

Keine Einträge

Kommentarformular

öster News from Österreich News from Deutschland News from Schweiz News from Österreich News from Deutschland News from Schweiz
18. März
2019mehr
Montag

Suchen & Finden



Letzte Kommentare

Keine Einträge

designed and implemented by BILCOM