Kategorie: Österreich-Gesellschaft

simon INOU (c) BIBER
Mitten im Sommerloch wurde Österreich von einer gewaltigen Eis-Affäre erschüttert. Simon Inou, Journalist und Leiter von M-Media, hatte die Werbekampagne von Eskimo mit deren Sujet „I will Mohr“ als rassistisch kritisiert und den Eisproduzenten aufgefordert, die Kampagne zurückzuziehen. Was darauf folgte waren wütende E-Mails an den gebürtigen Kameruner – mit Fahr-zurück-wo-du-herkommst-Wünschen inklusive.
Leserbief 1:
In unserem Land werden Personen fremder Herkunft sehr gerne gesehen und aufgenommen. Nur, diese müssen sich anpassen. Die Lawine, die Sie mit der Schmutzkampagne gegen Eskimo-Eis losgetreten haben, fällt absolut NICHT in Ihre Zuständigkeit. Oder wollen Sie nun in allen Kaffeehäusern den „Kleinen Schwarzen“, den „Großen Braunen“ oder in Deutschland den „Negerkuss“ auch verbieten lassen? (...)
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Ulbricht
Leserbrief 2:
„Mohr im Hemd“: Diese Bezeichnung gehört zur Österreichischen Speisenkultur, wenn Euch das nicht passt, dann verpisst Euch doch einfach, denn so macht man sich unbeliebt.
Von Walter Retlaw
Leserbrief 3:
Meine Damen/Herren!
(Das „Sehr geehrte“ verwende ich für Menschen, die diese Anrede auch verdienen!) Auf der Internetseite der Presse wird Ihr angeblicher Erfolg im Kampf gegen den „rassistischen“ Konzern Eskimo umjubelt. Erlauben Sie mir dazu folgende Bemerkung: Würden Sie einer ordentliche Arbeit nachgehen und nicht auf Kosten der Steuerzahler schmarotzen, dann hätten Sie wahrscheinlich keine Zeit für derartig saublöde Aktionen. Vielleicht könnten Sie auch gleich gegen den Konzern Eskimo selbst Klage führen? Die Bezeichnung ist doch auch „rassistisch“ oder etwa nicht? Zu Ihrer geschätzten Information: Eskimo ist eine abwertende Bezeichnung für die Inuit (Menschen) und bedeutet Rohfleischfresser und sollte auf keinen Fall mehr verwendet werden dürfen. Mit absolutem Unverständnis für Ihre vertrottelte Aktion verbleibt
Mag. Peter Jüthnern
Leserbrief 4:
Danke für den Witz, welchen Ihr daraus gemacht habt, mit der politisch ach so korrekten Empörung über die Werbekampagne. Wortspiele in der Werbung sind uns allen geläufig. Warum regt Ihr euch denn so auf? Vermutlich weil Ihr selbst ein wenig rassistisch denkt, gender-gemainstreamt wie Ihr seid?
Eure Arbeit in allen Ehren, aber seid doch mal etwas lockerer. Oder kann man von Euch erwarten, dass die Arbeit, die ihr tut, in Wirklichkeit eher zu Zerwürfnissen führen soll statt zum Zusammenleben der Menschen?
Politische Korrektheit ist der Tod jeder Menschlichkeit.
MFG F.Adam
Leserbrief 5:
Lächerlich mit was Sie sich beschäftigen.
Mohr bleibt Mohr, ebenso Neger bleibt Neger.
Ich esse gerne einen Mohr im Hemd, trinke mein Mohrenbräu, meine Medikamente hol ich in der Mohrenapotheke.
Und wem es hier nicht gefällt, der soll dort hingehen wo ihm soches „Leid“ nicht widerfahren wird.
Leserbrief 6:
Normalerweise bin ich ein sehr gutmütiger und positiver Mensch, doch nun platzt mir der Kragen. Nicht nur das man als Österreicher in Österreich (seinem eigenen Heimatland) bald nichts mehr gegen Türken und Leute aus dem ehemaligen Jugolawien sagen darf ohne den Anschein zu machen, ausländerfeindlich und rassistisch zu sein.
Sollen wir nun auch noch vielleicht alle Süßspeisen, die seit Generationen ihren Eigennamen haben, abschaffen, weil sich die Menschen schwarzer Hautfarbe rassistisch angegriffen fühlen. Wo kommen wir denn da hin, verdammt noch mal?
Norbert Vrana
Leserbrief 7:
Ich halte Sie aufgrund Ihrer bisherigen Tätigkeit für einen sehr intelligenten Menschen und kann daher absolut nicht verstehen, was diese „Kampagne mit dem Mohr im Hemd“ soll.
So ein SCHWACHSINN!
Als wenn es keine größeren PROBLEME gäbe?? HUNGERTOTE, AIDS, VÖLKERMORD oder besitzen sie eine von allen Bürgern Östereichs völlig abweichende Einschätzung, was Rassismus ist......?????????
MFG
Mag. Herbert HERRMANN
Leserbrief 8:
Wie halten Sie’s mit der Verfolgung von sg. „Hexen“ in Ihrem Heimatland und der Verfolgung von Homosexualität in Kamerun? Wahrscheinlich sind’s Volksbräuche aus alten Zeiten. Aber in anderen Ländern kann man sich aufplustern, besonders mit Gutmenschenunterstützung.
Wünsch Ihnen trotzdem einen guten Tag.
Peter Brandstätter
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Quelle: BIBER
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Freitag, 16-10-09 17:04
Ich war im Sommer wenig in Österreich und lese daher erst jetzt über die Eskimo-Werbekampagne und Simon Inous Kritik und bin entsetzt über die Reaktionen, die er darauf erhalten hat. Immer wieder erstaunlich, was Österreicher - Männer und Frauen - die sich so gerne als friedliche, gemütliche und lustige Leut geben - an Gift und Geifer auszuspucken imstande sind, wenn ihnen wer an ihren eingewachsenen Rassismus will, wie aggressiv und ganz und gar unlocker da aufgeschrieen und gepöbelt wird. Ich fühle mich in meiner österreichischen Identität nicht bedroht, wenn wir uns von belasteten Begriffen befreien, die andere Menschen herabsetzen und beleidigen, sondern erleichtert. Und ich finde es sehr armselig, wenn man in seinem kulturellen Selbstverständnis so sehr an der Bezeichnung für einen in Schokosauce getunkten Guglhupf mit Schlag hängt, dass man jede/n treten und beißen muss, der einem das nehmen will. Danke für deinen Mut, Simon!



