Datum: 03.11.09 23:44
Kategorie: Österreich-Politik

Von: Clara Akinyosoye

Linz: 4. Afrikasymposium - Brücken bauen statt Mauern

Achaleke, Bierdel, Inou - v.l.n.r. - (c)Njoku

4. Afrikasymposium in Linz- „Brücken bauen statt Mauern“ 

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Hintergründe für Flüchtlingsströme nach Europa. 

„Ich kann ihnen nicht sagen, dass wir diesen Film genießen werden“, mit diesen Worten kündigt Sonja Abdouramane von der Black Community OÖ den Film an, der das 4. Afrikasymposium am 31.10.2009 in Linz einleitet. „Brücken bauen, statt Mauern“, ist das diesjährige Motto erklärt Ike Okafor, Obmann der Black Community OÖ bei seiner Eröffnungsrede. Ein Film, eine Podiumsdiskussion, ein Fest mit afrikanischen Speisen, Musik und Tanz: soviel zum Programm.  

Es begann mit einem Film: „Alptraum im Fischerboot. Afrikas Flüchtlinge und Europas Fischereipolitik“ von Klaus Martens und Michael Grytz zeigt die Überfischung afrikanischer Gewässer durch europäische Schiffe und erklärt die damit ausgelöste Armut, Perspektivlosigkeit und letzten Endes die Flucht nach Europa. Und wie angekündigt, von Genuss konnte keine Rede sein. Nach der Filmvorführung hüllte sich der Saal in betretenes Schweigen. 

Weniger still ging es während der Podiumsdiskussion zu, in der das Thema des Films, die Problematiken und Herausforderungen der nicht abreißen wollenden Flüchtlingsströme aus afrikanischen Ländern nach Europa und ihre Ursachen besprochen wurde. Am Podium saßen: Beatrice Achaleke, Vorsitzende des Schwarzen Europäischen Frauenrats und Gewinnerin des diesjährigen Global Diversity Award in Washington für ihre integrative Arbeit auf europäischer Ebene. Außerdem diskutierten Elias Bierdel, Mitbegründer von Borderline Europe (Informationsplattform zum Massensterben an den EU- Außengrenzen) und Simon Inou, Journalist, mehrfach ausgezeichneter Preisträger und Medienexperte.

Die Moderation übernahm Sonja Abdouramane. Corinna Milborn, Menschenrechtsexpertin und Ousmane Thiam, Journalist und Filmemacher aus Senegal konnten nicht anwesend sein.

Die Diskutanten fanden allesamt harte und kritische Worte für die Migrationspolitiken der westlichen Welt. Wer an diesem Podium etwas zu sagen hatte, nahm auch kein Blatt vor den Mund. Kritik wurde an der EU, afrikanischen Regierungen und an den Medien geübt. Die Podiumsteilnehmer wurden nicht müde immer wieder kritische Fragen aufzuwerfen, Motive sowohl europäischer, als auch afrikanischer Regierungen zu hinterfragen und prangerten „Scheinlösungen“ an, für jene Probleme, deren Ursachen kaum Erwähnung in der öffentlichen Diskussion finden. Afrikaner geben alles auf, riskieren ihr Leben und sterben auf dem Meer. Und zwar „weil sie gute Söhne und gute Väter sein wollen“ nicht um Sozialsysteme auszubeuten oder um zu urlauben, so Beatrice Achaleke.  

Doch „man möchte nicht, dass diese Leute gerettet werden.“ Klare, harte Worte von Elias Bierdel. Doch er spricht aus Erfahrung. Er selbst sah sich nach der Rettung von 37 Flüchtlingen im Mittelmeer mit in einem jahrelangen Verfahren konfrontiert. Anklagepunkt: Schlepperei. Menschen, die geholfen haben, bestrafen und Menschen, die helfen könnten, abschrecken – das sei „die gängige Praxis“, erzählte Bierdel. „Eine Tragödie für die Menschheit“, nennt das Beatrice Achaleke und ruft deshalb dazu auf Organisationen wie Borderline Europe mit aller Kraft zu unterstützen. 

Simon Inou gab zu Bedenken, dass Afrikaner mit der Vorstellung des schönes Europas aufgewachsen sind. Jetzt ein paar Sketche zu verteilen, die das Gegenteil beweisen sollen, indem Obdachlose im Schnee liegend dargestellt werden, kann daran überhaupt nichts ändern. (In afrikanischen Schulen werden auf Grund europäischer Initiativen solche Sketche verteilt)  Inou sprach in diesem Zusammenhang von einem „neokolonialistischen Blick“ Europas auf Afrika. Hier würden Afrikaner von Europäern sinngemäß „mit ihren eigenen Bildern verprügelt, damit sie nicht mehr kommen“. Doch das werden sie weiterhin tun. Da herrscht seitens der Diskutanten Einigkeit. Sie tun es, weil sie ihre geraubten Perspektiven suchen –und zwar dort, wo sich auch ihr geraubter Fisch befindet: in Europa. 

 







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