Datum: 22.03.10 15:38
Kategorie: Österreich-Politik

Von: Clara Akinyosoye

Österreichischer Rassismus Report 2009 Afrikanet deckt Rassismus in Sport auf

Afrikanet deckt Rassismus in der ORF Sportberichterstattung auf - Schwarze Menschen waren auch 2009 besonders von Rassismus betroffen.

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Die österreichische Zivilcourage und Antirassismus Organisation  ZARA gab vergangenen Freitag den seit 1999 jährlich erscheinenden Rassismus Report heraus. Bei einer Pressekonferenz präsentierte ZARA den 80 Seiten Bericht mit der Botschaft: Alles beim Alten. In Sachen Rassismus und Diskriminierungen hat sich nicht viel geändert. Außer dass mehr Fälle als im Vorjahr registriert worden sind. Im Jahr 2009 dokumentierte das ZARA-Team insgesamt 798 rassistische Vorfälle. 2008 waren es noch um 94 Fälle weniger. Jedoch kann mit dem Bericht nicht das gesamte Ausmaß von Diskriminierungen erfasst werden, da viele Menschen rassistische Vorfälle erst gar nicht bei ZARA melden bzw. die Organisation nicht kennen.

 Auch in dem diesjährigen Bericht kommen schwarze Menschen oftmals als Betroffene von Rassismus vor. Viele Vorfälle spielen sich im öffentlichen Raum ab. Mike Brennan ist kein Einzel- aber ein bekannter Fall.  Ein folgenschwerer Fall von „Ethnic Profilling“ führte dazu, dass ein Afro- Amerikaner in einer U-Bahnstation von Wiener Polizeibeamten (in Zivil) als Drogendealer erachtet, attackiert und schwer verletzt wurde.  Die Geschichte des Lehrers an der Vienna International School zog große Aufmerksamkeit der Medien auf sich. (S. 31, Fall 55)

Doch es gibt unzählig viele Fälle, die es niemals in die Medien schaffen.  ZARA dokumentiert eine Vielzahl von Vorfällen, in denen schwarze Menschen mit Rassismus konfrontiert wurden. Bedrohungen und Beschimpfungen als „schwarze Schlampe“, (S. 17, Fall 9) und sehr oft als N* sind in diesem Bericht dokumentiert. Es finden sich auch viele Fälle von bi-nationalen Paaren, die belästigt und beleidigt („Blutschande“) (S. 18, Fall 16) wurden.

In vielen Fällen wurde zwar sofort die Polizei zur Hilfe gerufen, aber den Betroffenen wurde nicht weitergeholfen. Ein Beispiel: Ein schwarzer Mann wird von einer alten Frau aus dem Fenster mit Eiern beworfen. Als er die Polizei ruft, spricht der Beamte zwar mit der Frau und wird selbst Zeuge von rassistischen Beleidigungen, sagt dem Mann dann aber, dass es sich um „eine zivilrechtliche“ Angelegenheit handle und er ihm nicht weiterhelfen könne. Außerdem, fügt der Exekutivbeamte schließlich hinzu, wäre er nicht getroffen worden, wäre er nicht stehen geblieben. (S.15, Fall 1)

„Herr D. ist Arzt an der medizinischen Universität Graz. Er wurde in Uganda geboren, lebt aber seit fast 20 Jahren in Österreich und ist österreichischer Staatsbürger. Ende August geht Herr D. nach der Arbeit in eine nahe gelegene Poststelle. Dort wartet er eine Zeit lang in der Warteschlange vor einem Postschalter, bis er an die Reihe kommt. Als er bei der freundlichen Postangestellten sein Paket aufgeben will, stößt ihn plötzlich ein etwa 60-jähriger, gut gekleideter Mann beiseite und schreit ihn mit folgenden Worten an: „Du dreckiger Schwarzafrikaner, Du brauchst viel zu lange. Verschwinde hier und lass uns Staatsbürger vor. Geh zurück nach Afrika, Du dreckiger N…! [*]“ Auch in diesem Fall rief der Betroffene die Polizei hinzu, die den 60-jährigen noch in der Post vorfand. Geholfen wurde Herrn D. jedoch auch in diesem Fall nicht. Es gab keine Anzeige, weil für aus der Sicht des Beamten „niemand verletzt worden sei“, auch für eine Identitätsfeststellung sorgte er nicht.“ (S. 20, Fall 28)

Auch öffentliche Verkehrsmittel sind vermehrt der Ort an dem rassistische Vorfälle stattfinden, wie folgendes Beispiel aus dem Rassismusbericht zeigt. „Stellens Ihr Zeug doch auf den Boden, weil den Sitzplatz braucht’s uns ihr N… [*] im Bus nicht auch noch wegnehmen!“ Die Frau beginnt mit einer Hasstirade, in der sie Frau P.unter anderem vorwirft, dass sie den Sozialstaat Österreich ausnutze, sicher als Prostituierte tätig sei und aufpassen solle, dass sie nicht eine in die „Gosch’n“ bekomme…“ (S.19, Fall 22)

Protest gegen rassistische Werbekampagne

Hohe Wellen schlug auch die Einführung der neuen Eiscreme-Sorte „M* im Hemd“, die von der Firma Unilever unter dem  Slogan „I will M*!“ beworben wurde. Afrikanet war als Beschwerdeführer maßgeblich an der Diskussion über die Kampagne und dem freiwilligen Stopp der Werbekampagne beteiligt.

„Im Sommer erhält ZARA mehrere Beschwerden über die neue Eiscreme-Sorte „M* im Hemd“, die von der Firma Unilever mit dem Slogan „I will M*!“ beworben wird. Mitglieder der österreichischen Black Community (unter anderem www.afrikanet.info), anti-rassistische Initiativen wie ZARA und einige JournalistInnen kritisieren die Verwendung des Begriffs „M*“ aufgrund seines Ursprungs in der Kolonialzeit als rassistisch. Daraufhin entwickelt sich im Forum von FM4 eine rege Diskussion, bei der BefürworterInnen eines antirassistischen Sprachgebrauchs und Personen, die sich „ihre“ traditionelle Mehlspeise nicht wegnehmen lassen wollen, aneinander geraten. Ähnliches spielt sich im Forum von derStandard.at oder diePresse.com ab. Einige der Beiträge lassen sich in der Presseschau nachlesen. Die Kritik veranlasst Unilever, die großangelegte Werbekampagne nicht zu verlängern. Das Eis behält allerdings seinen Namen. ZARA wendet sich mit einem Brief an Unilever, in dem es seine Kritik darlegt und einen Gesprächstermin vorschlägt. Dieses Angebot nimmt Unilever zwar an, der Termin kommt jedoch nicht zustande.“ (S. 16, Fall 6)

Afrikanet.info deckt Rassismus in der Sportberichterstattung auf

Auch in den Medien sind rassistische Vorfälle keine Seltenheit. ZARA nahm auch einen Vorfall in den Bericht auf, von dem Afrikanet.info am 23.4. 2009 berichtete. Es ging dabei um einen Läufer aus Kenia, der bei dem Vienna City Marathon am 19.April 2009 als Sieger hervorging. Der ORF Moderator Christopher Ryan kommentierte dies mit den Worten: „Als Preisgeld erhält er 15.000 Euro, dazu kommen noch Zeitgelder. Dann kann er sich zu Hause ein paar Bananen oder andere exotische Früchte mehr kaufen.“ (S. 25, Fall 44)

Für Empörung sorgte 2009 auch ein von Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) im Jänner während einer Pressekonferenz für die ORF-Sendung „Wenn die Musi spielt“ geäußerten rassistischen N*Witz. (S. 25, Fall 40) Bis heute entschuldigte oder korrigierte der Politiker sich nicht für diesen Witz. In einer Pressestunde im Jahr 2010 erklärte er nochmals sein Verhalten sei in Ordnung gewesen.  

 Zu Rassimus gegenüber  kommt es in allen Lebensbereichen. Im öffentlichen Raum, im Arbeits- und Wohnbereich, in Geschäften und Lokalen. In dem Rassismusbericht 2009 finden sich in diesen verschiedenen Bereichen viele Fälle von Rassismus gegenüber schwarzen Menschen. Beispiele von Männern und Frauen, denen auf Grund ihrer Hautfarbe der Zutritt zu Lokalen verwehrt wurde.

Rassismus an Hauswänden

2009 dokumentierte ZARA insgesamt 179 rassistische Beschmierungen. 49 davon wurden in öffentlichen Verkehrsmitteln gesichtet. 14 Beschmierungen wurden von außerhalb Wiens gemeldet.

ZARA unterteilt die Beschmierungen in folgende Kategorien: AFR „Anti-Afrikanisches“, HAS „Hakenkreuze und Antisemitisches“, RAS „Rassistisches“, TÜR „Anti-Türkisches“, ISL „Anti-Muslimisches“. Nach „Hakenkreuzen und Antisemitischen“ (48 Prozent) sind „Anti- Afrikanische“ Beschmierungen mit 29 Prozent die zweit häufigsten. 

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Weblink: ZARA







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