Datum: 07.10.10 16:51
Kategorie: Österreich-Politik

 

Fall Mike Brennan: Polizist gibt "menschlichen Fehler" zu

(c)afrikanet.info

Polizist hielt afroamerikanischen Sportlehrer für Drogendealer

Wien - Fall des von der Polizei irrtümlich für einen Drogendealer gehaltenen Sportlehrers Mike Brennan muss sich am Donnerstag der amtshandelnde Polizist wegen schwerer Körperverletzung im Wiener Straflandesgericht verantworten. Es ist bereits der zweite Prozess gegen den 37-jährigen Beamten. Der Polizist hat heute am Donnerstag einen "menschlichen Fehler" zugegeben. Zum Anklagevorwurf bekannte sich der 37-Jährige nicht schuldig, räumte zugleich aber ein: "Das Urteil werde ich - wie immer es ausfällt - zur Kenntnis nehmen und trage die Konsequenzen."

Hot-Spots überwacht

Der Beamte gehört einer Spezialeinheit ein, die unter anderem den Drogenhandel im öffentlichen Raum bekämpfen soll. Am 11. Februar 2009 wurden bekannte Hot-Spots an der U4 überwacht, wobei der 37- Jährige informiert wurde, dass ein afroamerikanischer Dealer mit der U-Bahn Richtung Heiligenstadt unterwegs sei.

Kollege gab Beschreibungen über Funk

Der Beamte stieg in der Station Friedensbrücke in die betreffende Garnitur ein, fuhr eine Station mit und verließ den Zug dann wieder, weil ihm ein Kollege über Funk mitteilte, der in einem hinteren Waggon befindliche Verdächtige sei im Begriff auszusteigen. Als der 37-Jährige auf den Bahnsteig trat, wurde ihm mitgeteilt, der Dealer, der ihm zuvor beschrieben worden war, komme direkt auf ihn zu.

Dem Beamten näherte sich allerdings kein Dealer, sondern der 34-jährige Mike Brennan, der an der Vienna International School tätiger farbiger Sportlehrer. Da die Personsbeschreibung - rund 1,85 Meter groß, bullige Statur, dunkle Jacke, Kopfbedeckung - zu passen schien, habe er den Mann für den Verdächtigen gehalten und mit den Worten "Stop! Police! You are arrested!" angehalten, erzählte der Polizist dem Richter.

Sportlehrer schwer verletzt

"Er hat auf die Zurufe überhaupt nicht reagiert. Er hat sich angespannt. Für mich hat es ausgeschaut, als ob er sich unter mir durchducken und davon laufen will", erklärte der Angeklagte. Da habe er den größeren und kräftigeren Mann "aus dem Gleichgewicht gebracht und zu Boden befördert". Dem Sportlehrer wurden dabei zwei Lendenwirbelkörper-Querfortsätze gebrochen, außerdem erlitt der 34-Jährige eine Rippen- und Schädelprellung sowie eine Zerrung der Nackenmuskulatur.

Von einem Fluchtverhalten ausgegangen

"Dass ich von einem Fluchtverhalten ausgegangen bin, war mein großer Fehler. Kann sein, dass er mich nicht gehört hat. Das Verhalten, das er gesetzt hat, habe ich falsch interpretiert", gab der Polizist zu. Dass sich Brennan "leicht geduckt und angespannt hat, war vermutlich ein Überraschungsverhalten", erklärte der Polizist.

Bestreitet sich nicht ausgewiesen zu haben

Demgegenüber bestritt er die Darstellung Brennans und dessen Lebensgefährtin, die behaupten, der Beamte habe sich nicht zu erkennen gegeben, sich nicht ausgewiesen und Brennan, als dieser am Boden lag, mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen: "Das stimmt einfach nicht."

Wahrscheinlichkeit und Verwechslung

Er bedaure die Verwechslung, betonte der 37-Jährige: "Aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass in einer U-Bahn zwei Schwarzafrikaner sitzen, die beide gleich oder fast ähnlich angezogen sind, die dann in derselben U-Bahn-Station aussteigen und beide auf mich zukommen?"

Zweiter Prozess

Bei der Verhandlung handelte es sich bereits um den zweiten Prozess gegen den 37-jährigen Beamten: Der erste Prozess endete im vergangenen Juni im Bezirksgericht Wien-Josefstadt mit einem Unzuständigkeitsurteil, weil die Richterin die ursprünglich nur auf Fahrlässigkeit lautende Anklage für verfehlt hielt.

Bis zu drei Jahre Haft möglich

Um den Beamten doch noch belangen zu können, dehnte die Staatsanwaltschaft die Anklage formal aus, was die Zuständigkeit des Straflandesgerichts begründete und im Fall eines Schuldspruchs einen höheren Strafrahmen zur Folge hat. Nunmehr drohen dem Polizisten nicht nur maximal sechs Monate, sondern bis zu drei Jahre Haft, sollte er schuldig erkannt werden, die Verletzungen Brennans zumindest mit bedingtem Vorsatz in Kauf genommen zu haben.(APA)

 

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Quelle: derStandard

 







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