Datum: 08.10.10 16:03
Kategorie: Deutschland-Gesellschaft, Kids & Jugend-News

Von: Dr. Herzberger-Fofana

Kongress Kinder und Jugendliche afrikanischer Vorfahren in Deutschland

Im Rahmen des bundesweit interkulturellen Monats übermittelte Stadträtin Dr. Herzberger-Fofana am 26.9.2010 in Nürnberg ein Grußwort an die TeilnehmerInnen des "1. Kongress Kinder und Jugendliche afrikanischer Vorfahren in der deutschen Gesellschaft". In Nürnberg leben 6000 AfrikanerInnen, die Hälfte davon sind Kinder oder Jugendliche.

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Liebe Teilnehmer und Teilnehmerinnen,

Ich gratuliere den Mitgliedern des Vereins "Afro-deutsche" in Nürnberg, die die Initiative ergriffen haben einen solchen Kongress für „Kinder und Jugendliche afrikanischer Vorfahren in der deutschen Gesellschaft“ durchzuführen, ganz herzlich.

Afro-deutsche Kinder unterscheiden sich von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern durch ihre kulturelle Herkunft und meistens durch ihre Hautfarbe. Damit werden sie mit stärkeren Problemen, Vorurteilen und spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert, die zum Teil zu schulischen Komplikationen führen und sie meist überfordern. Die meisten von ihnen sind hier geboren, sind im Prinzip bereits integriert. Denn viele von ihnen kommen aus bi-kulturellen Familien. ie kennen meistens das Land der afrikanischen Vorfahren nur als Urlaubsland. Trotzdem wird oft in der Schule von ihnen erwartet, dass sie die Rolle des „Afrika-Experten“ übernehmen, ungeachtet ihrer deutscher Sozialisation und des jeweiligen Ursprungslands ihrer Eltern.
Ich denke an den Fall einer Kollegin, die sich wunderte, dass ein Jugendlicher aus Somalia das Reservat Serengeti in Tansania nicht kannte. Afrika ist kein Land sondern ein Kontinent.

Die Frage der Zweisprachigkeit nimmt auch eine ganz andere Dimension an. Afrikanische Sprachen genießen nicht den gleichen, hohen Stellenwert wie die kolonialen Sprachen, also französisch, englisch, portugiesisch, italienisch, spanisch, die ihre Eltern beherrschen. Gerade Kinder, die hier geboren sind und deren beide Elternteile aus Afrika kommen, weigern sich manchmal die Muttersprache der Familie zu sprechen. Unbewusst schämen sie sich, nur weil ihnen suggeriert wird, dass ihre afrikanische Muttersprache keine richtige Sprache sei. Abgesehen von der Tatsache, dass die, oft in dem Zusammenhang gestellte, Frage „sprichst Du afrikanisch“? auf Dauer auch nicht nur amüsiert, sondern zu amüsieren weiß.
Neben der deutschen Sprache, die sie unbedingt sprechen müssen, dürfte die afrikanische Muttersprache nicht stiefmütterlich behandelt werden. Denn Zwei-und Mehrsprachigkeit ist ein Gewinn für die Entwicklung der eigenen Identität und der Persönlichkeit.

Als Lehrerin am Gymnasium bemühe ich mich stets im Rahmen des französischen Unterrichts das Thema Afrika in meinen Unterricht einfließen zu lassen. Die Frankophonie bittet mir die Möglichkeit interkulturelle Aspekte einzubringen, und somit den Schülern ein anderes und positives Bild des afrikanischen Kontinents zu vermitteln. Dennoch habe ich Erfahrungen, die nicht immer erfreulich waren und mich traurig stimmen.
Ich glaube, dass manche Demütigungen und Entmutigungen, die die Kinder erleben müssen, einen großen Anteil am eventuellen Misserfolg in der Schule haben. Deswegen hoffe ich, dass die Veranstaltung neue Wege eröffnen und dazu beitragen wird, ein neues Bewusstsein bei den Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. Und des weiteren ihren Mut bestärkt, die schulische Laufbahn erfolgreich durchzuführen, um optimistisch in die Zukunft zu blicken. Wir wollen sie motivieren und auf verschiedene Weise bei ihrer Ausbildung unterstützen.
Denn es sind sehr wertvolle Jungs und Mädchen. Und dies sollten wir sie auch spüren lassen.

Afro-deutsche Kinder und Jugendliche können auch dazu beizutragen ihre Umgebung, ihre Schule, ihre Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu bereichern. Sie bringen kulturelle Vielfalt und geben diesen Bildungsstätten das Bild einer modernen Gesellschaft. Ich wünsche allen viel Erfolg für ihre Veranstaltung und bedanke mich bei allen, die ihre Zeit und Energie investiert haben, um diesen 1. Kongress möglich zu machen.

 







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