Datum: 11.01.11 12:19
Kategorie: Österreich-Politik

 

Fall Mike Brenan: Schwere Körperverletzung für 2800€

Geldstrafe statt Haft

Im Fall Mike B. ist der beschuldigte Polizist am Dienstag zu einer Geldstrafe von 2.800 Euro verurteilt worden. Bei einer Amtshandlung hatte der Polizist den Schwarzen Sportlehrer mit einem Drogendealer verwechselt und B. dabei schwer verletzt. Das Urteil des Richters ist nicht rechtskräftig. Der Polizist erbat sich drei Tage Bedenkzeit.

Der Polizist hatte den Lehrer, der an der Vienna International School unterrichtet, in der Wiener U-Bahn-Station Spittelau zu Boden befördert und ihm dadurch laut Anklage eine schwere Körperverletzung zugefügt. Der Sportlehrer hatte bei dem Vorfall am 11. Februar 2009 Brüche zweier Lendenwirbelkörper-Querfortsätze, eine Rippen- und Schädelprellung sowie eine Zerrung der Nackenmuskulatur davongetragen.

Mit dem Urteil zu einer Geldstrafe ist bereits der zweite Prozess zu Ende gegangen. Die erste Verhandlung im Juni 2010 hatte im Bezirksgericht Wien-Josefstadt mit einem Unzuständigkeitsurteil geendet, weil die Richterin die ursprünglich nur auf Fahrlässigkeit lautende Anklage für verfehlt hielt. Dem Polizisten hatten damit statt maximal sechs Monaten bis zu drei Jahre Haft gedroht. Nun wurden daraus 2.800 Euro Geldstrafe.

„Strafe angemessen“

„Die Strafe erscheint mir angemessen. Es war eine Verwechslung, die nachvollziehbar, aber auch vermeidbar gewesen wäre“, betonte Richter Patrick Aulebauer. Der Polizist und sein Kollege hätten den Sportlehrer mit einem tatsächlichen Drogendealer verwechselt und dann auch noch angenommen, B. würde einen Fluchtversuch unternehmen. Der Polizist beteuerte, der Sportlehrer habe „ein Fluchtverhalten“ gezeigt. „Es tut mir leid. Es war eine Verwechslung“, so der Polizist.

Beamte zunächst nicht ausgewiesen

Dem Polizisten wurde nun vorgeworfen, den Sportlehrer vorsätzlich verletzt zu haben. Am Dienstag gab die Lebensgefährtin von B. im Zeugenstand noch an, gesehen zu haben, wie ihr Freund vom Drogenfahnder noch auf dem Boden liegend mit Fäusten geschlagen wurde. Ob er den Sportlehrer tatsächlich getroffen hat, konnte sie jedoch nicht eindeutig sagen. Gesichtsverletzungen hatte B. nicht davongetragen.

Da sich die Beamten in Zivil trotz mehrmaliger Aufforderung nicht ausgewiesen hätten, habe sie zuerst angenommen, Schläger wären auf ihren Lebensgefährten losgegangen. Es habe einige Zeit gedauert, bis klar war, dass es sich um Polizisten handelte. „Als ich gesehen habe, wie der Mann auf Mike sitzt, habe ich ihn an den Schultern zurückgerissen. Daraufhin hat er mich weggestoßen“, erinnerte sich die Lebensgefährtin an den Vorfall.

„Faustschläge ausgeschlossen“

Im Zuge des Prozesses hatte ein Gutachter eine Aussage des Sportlehrers widerlegt, dass der Polizist ihm noch auf dem Boden liegend Faustschläge verabreicht habe. „Faustschläge am Boden müssen ausgeschlossen werden“, sagte der Gutachter Franz Triendl. Der angeklagte Polizist sei ein austrainierter Boxer. Wenn dieser wirklich zugeschlagen hätte, „wären Cuts und schwere Schwellungen im Gesicht die Folge gewesen“ - mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Der mittlerweile versetzte Polizist gehörte einer Spezialeinheit an, die unter anderem den Drogenhandel im öffentlichen Raum bekämpfen soll. Im Prozess gab er an, das Verhalten von B. in der U-Bahn-Station „falsch interpretiert“ zu haben. Er hatte sich nicht schuldig bekannt, aber einen „menschlichen Fehler“ zugegeben.

Am Dienstag kritisierte der Polizist in seinem Statement die mediale Berichterstattung: „Es ist traurig, wie das gelaufen ist. Wir waren vom ersten Tag an schuldig. Es hat auch genau ins System gepasst - auf der einen Seite ein Schwarzer und auf der anderen die Polizei. Die vergangenen zwei Jahre waren für mich alles andere als einfach.“







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