Datum: 18.01.11 21:54
Kategorie: News, Österreich-Politik

Von: Clara Akinyosoye

Nach der schwarzen Weihnacht

Rund drei Wochen nach der Polizeirazzia in einem afrikanischen Tanzcafe ist das Interesse abgeflaut. Was die letzten Wochen prägte: bestürzte Afrikaner und Österreicher, mittleres Medieninteresse, laufende Ermittlungen, leere Kassen und die Flucht aus dem eigenen Lokal.

Afrikaner, die Weihnachten feiern wollen, sollen nach Afrika. Das ist, nach Aussagen mehrerer Personen einer der Sätze, mit denen Polizisten am 24. Dezember Gäste des Tanzcafes Bellami beleidigten. (Afrikanet.info berichtete schon vor einem Jahr, über das damals neue Lokal) Die Polizeirazzia, in deren Rahmen sich mehrere afrikanische Besucher verletzt und Polizisten sich durch rassistische Sprache und gewalttätiges Verhalten ausgezeichnet haben sollen, sorgte gleich zu Beginn des neuen Jahres für Bestürzung.

Darüber was sich in dieser Nacht genau abgespielt haben soll, gibt es verschiedene Aussagen, wobei sich die Sichtweise der Polizei weniger mit der Sichtweise der anwesenden Gäste deckt. Mehrere Polizisten forderten die mehrheitlich schwarzen Gäste des Tanzcafes auf, das Lokal zu verlassen. Die Sperrstunde war nicht eingehalten worden. Obwohl die Gäste noch nicht ausgetrunken und ihre Rechnungen noch nicht bezahlt hatten, wurden sie gezwungen das „Bellami“ zu verlassen. Diesen Aufforderungen sei im Lokal und außerhalb des Lokals mit Einsatz von Körperkraft Nachdruck verliehen worden, wie mehrere Beteiligte berichten. Zudem wurden die schwarzen Besucher mit dem N-Wort betitelt. Andy Edward Nwangwu erzählt, dass er die Vorfälle im Tanzcafe filmen wollte, „weil ich besorgt war, wie die Polizisten James (Anmerkung der Redaktion:  James Erebuoye) behandelten.“ Daraufhin sei er von  Polizisten gegen die Wand gestoßen worden und habe dabei sein Bein verletzt. James Erebuoye erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Sie sollen ihn rassistisch beleidigt und geschlagen haben. Die Polizei wurde daraufhin von verschiedenen Medien auf diese Vorwürfe hin angesprochen. Die Antwort: sie ermittle derzeit. In dem Heimat Fremde Heimat Beitrag vom 9. Jänner, hieß es von Seiten der Polizei, dass sich die Vorwürfe von Herr Erebuoye aber noch nicht erhärtet hätten. Mit ihm gesprochen habe man allerdings auch noch nicht.

Die Öffentlichkeit hätte von all dem wohlmöglich nie erfahren, wenn die Beteiligten sich nicht in den Kopf gesetzt hätten, den Vorfall in die Medien zu bringen. So landeten sie schließlich beim Profil, nachdem sie beim ORF keine Möglichkeit auf Berichterstattung gefunden hatten, erzählt einer der Beteiligten. Profil berichtete daraufhin in der nächsten Ausgabe über die Polizeirazzia und sorgte auch durch die Onlineausgabe schon am Neujahrstag für erheblichen Wirbel, der sich etwa im Bereich der Social Media bemerkbar machte. Auf der Onlineplattform Facebook teilten alsbald eine Schar von Menschen den Link zum Artikel. Onlinediskussionen über Polizeigewalt und Rassismus wurden geführt. SOS Mitmensch veröffentlichte prompt eine Stellungnahme, in der sie, auf den „dringenden Handlungsbedarf in der Wiener Polizei“ aufmerksam machten.

Fehlinformation: „Bellami“ nicht „Congo“

Sobald der Neujahrsfeiertag und die damit verbundene Leere in den österreichischen Redaktionen vorbei ging, berichteten auch einige weitere Medien über den Vorfall. Wobei in den meisten Berichten, von dem Profil Artikel ausgehend, von einem Cafe „Congo“ die Rede ist, das sich in der Pfenniggeldgasse 19 befindet. Der Name des Tanzcafes ist aber tatsächlich „Bellami“. Auf Nachfrage bei Besuchern des Tanzcafes erfuhr Afrikanet.info, dass das Lokal von einigen Besuchern „Congo-Lokal“ genannt wird. Was wohl mit der Nationalität der Besitzerin Pelagie Kassay zu tun haben mag. Die Vermutung liegt nahe, dass aufgrund dessen die Falschinformation in Umlauf geraten ist.

Pelagie Kassay ist angesichts der vergangenen Ereignisse verzweifelt. Nicht nur am 24. Dezember, sondern auch am 25. Dezember war es wieder zu einer Razzia in ihrem Lokal gekommen. Verschiedenen Aussagen zufolge seien zwischen 20 und 50 Personen vor Ort gewesen. Es war wieder einige Minuten nach der Sperrstunde gewesen. Kassay habe bereits die Tür zugesperrt und wollte ihre Gäste noch austrinken lassen. Kurze Zeit später klopfte es an der Tür. Wer sich da gerade Eintritt erhoffte, wurde allerdings nicht kommuniziert, so Prince Zeka. Schlussendlich hatte es sich dabei um die Polizei gehandelt, die dann den Weg über den Notausgang wählte um sich Zutritt zum Lokal zu verschaffen. Wie den Tag zuvor wurden die Gäste aufgefordert das Lokal zu verlassen. Doch einige Besucher, wie etwa Prince Zeka, bescheinigen den anwesenden Polizisten ein höfliches und freundliches Auftreten. Nicht so die Besitzerin Pelagie Kassay. Sie klagt, dass es wieder zu herablassenden und aggressiven Verhalten gekommen sei. Auch bezahlen durften die Gäste dieses Mal erneut nicht. Durch diese zwei Abende habe Kassay zwischen 700 und 800 Euro Verluste eingefahren.

Flucht in ein anderes Lokal

Um wenigstens Silvester in Ruhe feiern zu können, sah sich Kassay gezwungen in ein anderes Lokal auszuweichen. Sie mietete eine Lokalität und richtete dort die geplante Silvesterfeier aus. Aufgrund der vergangenen Ereignisse wollten die Menschen einfach nicht mehr in ihr Lokal kommen, erzählt Kassay.

Für die Verbesserung des Verhältnisses zwischen Afrikanern und Polizisten setzt sich der Verein „Fair und Sensibel“ ein, der vom Innenministerium gefördert und von Josef Böck, dem Leiter des Polizeireferats für Minderheitenkontakte, geführt wird. Der Verein wurde im Jahr 2000 gegründet. Auslöser war das verheerende Jahr 1999, in dem Marcus Omofuma bei seiner Abschiebung, durch das Zutun von Fremdenpolizisten zu Tode gekommen war und die Polizeiaktion „Operation Spring“. Gegenüber dem Profil nahm Böck zu dem Vorfall Stellung: „Wir werden all diese Vorwürfe genau prüfen. Die Polizei duldet ein derartiges Vorgehen nicht.“

Forderung nach lückenloser Aufklärung

Eine lückenlose Aufklärung dieses Falls, fordert Ike Okafor, 2. Obmann der Afrikavernetzungsplattform. Auch im Zuge einer Amtshandlung müsse sichergestellt werden, dass „jeder das Recht hat respektvoll behandelt zu werden“, egal welche Hautfarbe oder Nationalität er hat. „Selektive Kontrollen und öffentliche Schikanen müssen der Vergangenheit angehören“, so Okafor. In Zusammenarbeit mit dem Verein Fair und Sensibel bemühe man sich um Sensibilisierung der Beamten, etwa durch Workshops. Die Hoffnung, dass Polizisten afrikanischer Herkunft das Verhältnis zwischen der Polizei und Afrikanern verbessern könnte, besteht auf Seiten der AVP. Man müsse sie für den Beruf begeistern. Stolz, sei man jedenfalls darauf, dass „wir in Wien zwei und in Oberösterreich einen Beamten haben.“

 







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