Datum: 14.08.15 14:17
Kategorie: Deutschland-Gesellschaft

Von: Teresa Asil

Das Jubiläum von Jim Knopf

Vor fünfundfünfzig Jahren ist das Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“zum ersten Mal erschienen. Dieses Jubiläum wird von Verlag Thienemann mit einer Neuausgabe gefeiert. Das N-Wort bleibt im Buch, verkündete der Verlag letzte Woche. Zum einen könne sich der Autor nicht mehr äußern, er ist tot. Zum anderen wolle man die Figur des Besserwissers, Herr Ärmel, so besser charakterisieren.

Es gibt viele unterschiedliche Meinungen, von „Soll man immer politisch korrekt sein?“ bis zu „Ein literarischer Text darf nicht verändert werden“. 

Würde Michael Ende heute noch das N-Wort verwenden, wenn ihm bewusst wäre, dass es von vielen Schwarzen als Beleidigung und als Diffamierung empfunden wird? Vermutlich nicht, denn Michael Ende hat mit seinen Büchern auch Botschaften transportiert. Genau so eine Botschaft wird auch vom Verlag als Erklärung mitgeliefert, warum das N-Wort im Buch bleibt. Im Buch sagt der Scheinriese Tur Tur: „Eine Menge Menschen haben doch irgendwelche besonderen Eigenschaften. Herr Knopf, zum Beispiel, hat eine schwarze Haut. So ist er von Natur aus, und dabei ist weiter nichts Seltsames, nicht wahr? Warum soll man nicht schwarz sein? Aber so denken leider die meisten Leute nicht. Wenn sie selber zum Beispiel weiß sind, dann sind sie überzeugt, nur ihre Farbe wäre richtig, und haben etwas dagegen, wenn jemand schwarz ist. So unvernünftig sind die Menschen bedauerlicherweise oft.“

Nun, unvernünftig sind die Menschen oft. Letztendlich geht es nicht darum, wer wann politisch korrekt sein soll oder nicht. Es ist eine Frage der Macht der Mehrheitsgesellschaft und der Ausdruck einer Ignoranz.

Wäre Jim Knopf weiß und würde er Schweinchen genannt, der Verlag hätte sich sicher um eine gute Erklärung bemüht, weshalb man in diesen literarischen Text auch nach dem Tod des Autors eingreifen darf.

Rassismus ist allgegenwärtig. Es wird noch eine Zeit dauern, bis in den großen deutschsprachigen Verlagen auch Schwarze sitzen, dann wird die Diskussion neu geführt werden. Doch bis dahin, lasst uns nicht verstummen.   „Widerstand ist das Geheimnis des Glücks.“







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