Datum: 29.11.08 14:00
Kategorie: Schweiz-Gesellschaft, Kids & Jugend-News

Von: Carmel Fröhlicher-Stines

Junge Schwarze Menschen in der Schweiz

Junge Schwarze Menschen in der Schweiz

Viele junge Menschen, ob vollständig afrikanischer Herkunft oder aus bi-kulturellen Familien, sind Opfer von Diskriminierung. Sie werden systematisch für «Nicht-Schweizer» gehalten, obwohl einige gar keine andere Kultur kennen als die hiesige und von ihrer Sozialisation her nichts anderes als die schweizerischen Werte verinnerlicht haben. Die Unmöglichkeit, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, zwingt sie, eine andere Identität als die schweizerische zu suchen: eine «Schwarze Identität», obwohl dieser Begriff keinen klaren Inhalt hat.

Viktor wurde in einem «Schweizer» Kontext sozialisiert. Seine Mutter ist eine weisse Schweizerin, sein Vater schwarzer Kameruner. Viktor kennt aber weder seinen Vater noch dessen kulturellen Hintergrund, da die Eltern sich kurz nach der Geburt des Kindes getrennt haben. Die Mutter zog zurück an den Wohnort ihrer Eltern, wo sie von ihrer Mutter unterstützt wurden. Vom Vater wurde nicht gesprochen.


In der Schule war Viktor ein Sonderfall, er war der «Negerbueb» und wurde gehänselt. Was ihm aber am meisten zu schaffen machte, war die Gleichgültigkeit der Lehrerin seinen Schwierigkeiten mit den anderen Kindern gegenüber. Er hörte als einzigen Trost: «Kinder sind halt so. Es hört schon mal auf.» Mit der Zeit hatte er Freunde, die ihn verteidigten, speziell gegen den Jungen aus der Nachbarschaft, der besonders aggressiv gegen ihn war. Als Viktor in die Sekundarstufe kam, ging er oft in die benachbarte Stadt, um sich dort mit anderen
Schwarzen zu treffen. Obwohl er keine grossen Probleme mehr mit den Mitschülern hatte, zog er es vor, seine Freizeit mit den neuen Freunden zu verbringen. Er sagte, er habe sich während dieser Zeit sehr verändert. Er habe sich als Schwarzer gefühlt, das sei ihm wichtig gewesen. Aber diese Zeit brachte ihm auch Probleme. Er und seine Kollegen wurden immer wieder von der Polizei kontrolliert und konnten weder eine «Stammbeiz» noch einen «Stammplatz» haben, da sie nirgends als Gruppe toleriert wurden.

 Viktor fühlt sich heute noch irgendwie heimatlos. Als Schweizer Kind wurde er als fremd angesehen und ausgelacht. Als schwarzer Jugendlicher war er heimatlos, da oft kulturelle Gemeinsamkeiten mit den neuen Kollegen in der Stadt fehlten.
Aber er habe dort viel über Afrika gelernt, meint er, und er hätte sich akzeptiert gefühlt. Was ihm aber am meisten fehlte, war die Akzeptanz der Gesellschaft als das, was er ist: ein schwarzer Schweizer. Er sagte, er lese sehr viel über Kamerun und gedenke, eine Reise dorthin zu machen. Um zu illustrieren, dass er kein Einzelfall sei, erzählte er von einem seiner Kollegen.
 
Georg (schwarze Mutter, weisser Vater), Architekt, ging mit seiner Freundin eine Wohnung besichtigen. Der Vermieter sprach ausschliesslich mit der weissen Freundin, obwohl Georg, der die Miete bezahlen würde, auch anwesend war. Der
Vermieter sagte, er müsse mit den anderen Hausbewohnern sprechen. Vielleicht habe jemand Mühe mit einem Schwarzen im Haus. Sie bekamen die Wohnung nicht.

Viktor ist einer von vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen afrikanischer Herkunft, die in der hiesigen Gesellschaft einen Platz suchen. Sie sind eine wachsende Minorität, zum Teil gut ausgebildet, viele sind kulturell gesehen Schweizer, andere haben einen Schweizer Pass, aber eine kulturell anders geprägte Erziehung. Sie haben eines gemeinsam: Sie werden von der Mehrheit als minoritäre Gruppe, als anders angesehen. Sie haben genug zu essen, sie haben die nötige Bildung, aber sie leiden immer wieder unter Diskriminierung. Sie sind «zu Hause», aber ständig frustriert und fühlen sich bedroht durch das Damoklesschwert der Nicht-Akzeptanz.

 

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Bildquelle:  Öffnet externen Link in neuem FensterSWISSBLACKS







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