Datum: 07.11.08 19:11
Kategorie: Welt, Sport

Von: simon INOU

Lewis Hamilton und Barack Obama schreiben eine neue Geschichte

simon INOU. Bild: Philippe Horak

Was für eine Woche für die Schwarzen und die Welt?

Zwei bedeutende Schwarze haben es geschafft, die Weltordnung in Sport und Politik neu zu gestalten. Simon INOU, Journalist in Wien, geboren in Kamerun, sieht eine neue Bewegung des 21. Jahrhundert

Am 2. November 2008 bricht Lewis Hamilton, der schwarze Brite, alle Rekorde in der Formel 1 Geschichte. Zwei Tage später, am 4. November wird Barack Obama zum 44. Präsident des mächtigsten Land der Erde gewählt. Nach mehr als 500 Jahren Sklaverei, Kolonialismus und Neokolonialismus ist es wieder erlaubt zu träumen. Die zweite Novemberwoche des Jahres 2008 wird für die ganze Welt eine bedeutende und für viele Schwarze eine symbolträchtige gewesen sein.

Letzter Sonntag in Sao Paulo Brasilien. Lewis Hamilton, 23 Jahre jung und Formel 1 Rennfahrer bricht alle Rekorde. Hamilton wird zum jüngsten Titelträger der Königsklasse des Automobilsports gekürt. Und er ist der allererste Schwarze in diesem hochtechnisierten Sport.

Seit neun Jahren warteten die Briten auf diesen Sieg. Schwarze warten auf diesen Sieg seit der Gründung der Formel 1 im Jahre 1950. Obwohl viele Schwarze verschiedenste Sportarten ausüben, schien die Welt der Formel 1 verschlossen. Aus dem einfachen Grund, dass diese Sportart zu praktizieren sehr teuer ist, aufwendig und sehr gefährlich ist. Rasen mit mehr 300 km/h ist nicht jedermanns Sache. Was für Schwarze, die immer vorurteilsmäßig als arm gesehen werden nicht leistbar war. Doch mit Anstrengung, harter Arbeit und Disziplin gelingt es dem Vater  Anthony Hamilton seinen Sohn zum besten Formel 1 Rennfahrer der Welt werden zu lassen. Um Lewis den Rennsport zu ermöglichen, musste Anthony neben seinem Job als Eisenbahner noch zwei Nebenjobs annehmen. Als sehr strenger Manager hatte er seinem Sohn gesagt: “Nicht rauchen, nicht trinken. Und wenn du auf Partys Frauen abschleppen willst, musst du dir einen anderen Job suchen." Ein Beispiel für viele Eltern...

In der Nacht vom 4. auf 5. November 2008 kenne ich viele Schwarze aus Europa, Amerika, Asien sowie aus dem Afrikanischen Kontinent, die nicht geschlafen haben. Das Ereignis im Fernsehen zu verfolgen war Pflicht. Viele meinten, dass Sie diese historische Chance nicht versäumen wollen. Auf verschiedensten TV Kanälen sah ich Schlangen von US Bürgern vor Wahllokalen. Dieses Bild erinnert mich an die ersten demokratischen Wahlen in der Post-Apartheid Ära in Südafrika. Am 24. April 1994 dürften zum ersten Mal in der Geschichte Südafrikas Schwarze wählen gehen. Fernsehreportagen aus diesem Tag zeigten wie viele Menschen auf diesem historischen Tag gewartet haben. Zum ersten Mal in ihrem Leben durften sie über ihre eigene Zukunft entscheiden. Nelson Mandela wurde zum ersten Schwarzen Präsidenten des Landes gewählt nach 27 Jahren Gefängnis.

Ein ähnliches Symbol sehe ich bei den Wahlen von Barack Hussein Obama in den USA 146 Jahre nach der Sklavenbefreiung. Man sollte nicht vergessen, dass bei der Gründung der Vereinigten Staaten Schwarze nicht als vollwertige Menschen anerkannt waren. Sie mussten wie Vieh gekauft und verkauft werden. Es ist genau 43 Jahre her, dass Schwarze Amerikaner durch das "Voting Rights Act" wählen dürfen. Millionen von Schwarzen Amerikanern sind jahrzehntelang als Objekte betrachtet werden. Über sie wurden viele Bilder erzeugt, die mit der Realität nicht zu tun haben. Ein negatives Image. Schwarze, ob sie aus Afrika, USA, Lateinamerika oder Europa stammen kommen exklusiv als Opfer von Ausbeutung, Täter, ewige Assistierte, Tänzer, Musiker und Sportler. Selten als Intellektuelle, Politiker, die Respekt verdienen und Meister der eigenen Erfolge sind.

Schwarze Frauen gelten bis heute im deutschsprachigen Raum als Prostituierte und Schwarze Männer als bedrohlich, gefährlich, unintellektuell. Auch in der Musikwelt in der sie oft präsent sind, werden viele Schwarze auf die Folklore und Jazz reduziert. Als ob es keine Schwarzen gäbe, die die klassische Musik !!!!!! verstehen. In keinem Geschichtsbuch eines westlichen Landes kommen positive Bilder von Schwarzen und von ihrer Geschichte vor, die mit der Ägyptischen Hochkultur beginnt. Unsere Geschichte wird auf Sklaverei, Kolonialismus und Entwicklungshilfe reduziert. So dass Schwarze Kinder im Gegenteil zu Weißen Kindern nur mit einer negativen Vorstellung von sich selbst aufwachsen und geschult werden Afrika und AfrikanerInnen entweder gering zu achten oder zu hassen. Zum Beispiel wissen viele nicht, dass die Verkehrsampel vom Schwarzen Amerikaner Garrett Augustus Morgan erfunden wurde.


Barack Obama bricht alle diese Klischees. Er fungiert als Role Modell, als Anker für viele schwarze Kinder und Erwachsene. Endlich kann man über einen Schwarzen jenseits von Musik, Tanz, und Sport intensiv reden und Bericht erstatten.

Barack Obama wurde  zum ersten Schwarzen, der eine westliche Demokratie führt,  gewählt. Lewis Hamilton zum ersten Schwarzen und jüngsten Formel 1 Rennfahrer. Aus eigener Leistung, harter Arbeit und Disziplin. Beide kommen aus Familien mit Elternteilen aus verschiedensten Kulturkreisen.

Eine neue Bewegung, die das Thema des 21. Jahrhundert prägen wird, ist entstanden. Nämlich: wie gehe ich mit dem anderen um? Wie bekämpfe ich tagtäglich Vorurteile gegenüber anderen, die anders aussehen als ich? Wie lasse ich andere partizipieren, mitgestalten? Wie schaffe ich Bedingungen um andere zu akzeptieren? Barack Obama ist Präsident der USA. Die Welt wird sich nicht am nächsten Tag ändern. Aber einen grossen Unterschied fühlen wir schon jetzt.







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