Kategorie: Österreich-Gesellschaft

Bilder: Ilona Antal

Die 22 Jährige Pelagie Kasay eröffnete zum zweiten Mal ein afrikanisches Lokal. Der erste Anlauf scheiterte an der Nachbarschaft.
„Ich bin immer hier“, sagt Pelagie Kasay ganz selbstverständlich. Die Rede ist von ihrem brandneuen Tanzlokal in Wien, Ottakring. Noch arbeitet sie allein, aber wenn es weiterhin gut läuft, „suche ich eine Kellnerin“.
Die gelernte Friseurin aus dem Kongo kam vor vier Jahren nach Österreich, arbeitete in einer Wäscherei und nebenbei als Kellnerin. Jetzt ist die 22 Jährige Besitzerin einer Bar. Ob es nicht hart ist in diesem zarten Alter die Verantwortung für ein Lokal zu haben? Man muss sich immer konzentrieren, hat eine Menge Arbeit und wenn viele Leute da sind bedeutet dass viel Stress, erzählt Kasay. Aber so wie es ist, ist das schon gut, findet sie, denn „ich wollte immer ein eigenes Lokal.“ Und wer weiß, da lässt es sich träumen, kommt später noch ein zweites dazu.
Nach einem Unfall bekam Kasay Probleme mit der Lunge. Schwere Arbeit war tabu und einen dreimonatigen Krankenstand zu bekommen war ihr unmöglich. Also suchte sie einen Ausweg und sie fand ihn: Selbstständigkeit. Sie nahm ihr Erspartes und mietete ein Lokal im siebenten Bezirk. Ein Problem gelöst, stand schon ein Neues vor der Tür. Fast jeden Tag wurde die Polizei zum Lokal gerufen, weil sich Anrainer beschwerten, dass es zu laut sei. Das machte die junge Barbesitzerin auf die Dauer nicht mit und begann aufs Neue mit der Suche nach einem geeigneten Lokal. Gesucht und gefunden. Das Tanzlokal „Bellami“ in der Pfenniggeldgasse 19 im 16. Bezirk „läuft gut“ – seit zwei Monaten. Es kommen Leute von überall her. Afrikaner, Europäer – und natürlich sind Kasay ihre alten Stammkunden auch treu geblieben. Schließlich gibt es zwar „viele afrikanische Lokale, aber keine Tanzlokale“, so die stolze Eigentümerin. Getanzt wird in der Tat – unter einer Diskokugel, auf einer einladenden Tanzfläche, die von roten Rundsitzbänken umgeben ist. Es erinnert stark an eine 50er Jahre Jazzbar. Und die Musik? So ähnlich und unterschiedlich wie das Publikum selbst. Aus dem Kongo, Kamerun, Nigeria, gemischt mit europäischen und amerikanischen Klängen. „Damit alle was davon haben“, sagt Kasay lachend. Und mit den Nachbarn gibt es hier zum Glück keine Probleme.
Das „Bellami“ ist jeden Tag geöffnet, cirka bis zwei Uhr morgens. Auch an Feststagen, wie zu Weihnachten. Da verwöhnte die 22 Jährige ihre Gäste: es gab für jeden Besucher Gratis Buffet, dazu ein Bier. Am Silvesterabend bot sie ein „All you can eat buffet um 5 Euro“ mit Fischen, Salaten, Suppen, Reis, Gemüse und allerhand anderer Köstlichkeiten. Wie erwartet kamen viele Leute, an die 50 feierten hier den Neujahrsbeginn. Ein solches Buffet gibt es nur zur speziellen Gelegenheiten. Normalerweise bietet Kasay nur Kleinigkeiten an. Snacks, die sie nicht in der Bar, sondern schon zu Hause zubereitet. Aber was ist mit dem Reis, der gerade auf kleiner Flamme vor sich her köchelt? Der, jetzt muss sie schmunzeln, ist „für mich“. Mit leerem Magen lässt es sich schwer arbeiten und wo könnte sie denn sonst essen. Wie Kasay schon sagte: „Ich bin immer hier.“
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TANZLOKAL „BELLAMI“, Pfenniggeldgasse 19 - 1160 Wien
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