Datum: 09.12.08 09:00
Kategorie: Kultur-Musik

Von: simon INOU

Femi Kuti: We should start appreciating ourselves as africans

Femi Kuti interviewed by Simon INOU - 2005

Der in London geborene Femi Kuti wächst in Nigeria der 60er und 70er auf. Das Land ist geprägt von politischen Unruhen. Heutzutage zählt er zu den meist politisch, kulturell und sozialen Künstler Afrikas. Eine Erbe seines Vaters Fela Anikulapo Kuti. Trotz vieler Arten von Unterdrückungen kämpft Femi Kuti in Nigeria. Die Zentrale des musikalischen und politischen Widerstands ist sein Club 'African Shrine' in Lagos, den Femi im Oktober 2000 eröffnet hat. Dieser Klub ist inzwischen ein soziales Zentrum geworden. Femi Kuti war vor kurzem in Wien. Über Afrika, ihre Landsleute und  ihre Zukunft spricht er mit Simon Inou.

Niemand kann heute über Femi Kuti reden, ohne den väterlichen Hintergrund zu erwähnen. Wie positionierst du dich heute musikalisch? Bist du ein Nachfolger deines Vaters Fela Anikulapo Kuti mit Afro Beat oder gehst du deinen eigenen Weg?

Natürlich hat mich mein Vater sehr beeinflusst. Ob ich es will oder nicht er ist mein Vater. Willst du, dass ich wie Obasanjo bin? Oder willst du, dass ich wie Mugabe bin? Ob du willst oder nicht du musst meinen Vater in mir sehen. Ob ich es will oder nicht werde ich wie er singen, sogar tanzen. Teile meines Vaters sind in mir, aber ich bin Femi Kuti.

Im Schatten deines Vaters hast du die politische Rolle der Musik von deinem Vater geerbt. In deinen Liedern geht es immer um soziale sowie politische und wirtschaftliche Probleme des heutigen Afrikas. Aber die Musik bleibt deine Waffe.....

Musikalisch betrachtet gibt Afrika bis heute sehr viel an die Welt. Ich glaube, die Musik Afrikas ist bis heute der richtige und unkorrumpierte Botschafter Afrikas. Afrikanische Rhythmen und Künstler bereichern die Weltmusik. Was die Musik für Afrika und AfrikanerInnen gemacht hat, sprengt unsere Grenzen. Ich bin nur ein Fortsetzer von vielen die vor mir diesen Weg vorbereitet haben. Wir singen nicht nur fürs Singen. In meinen Liedern versuche ich, unsere politische sowie soziale Situation darzustellen.


Politische sowie soziale und kulturelle Situationen Afrikas darstellen: Wie kann Afrika heute aus diesen großen Problemen herausfinden? Aids, Armut, Korruption, aber auch Entwicklung von Demokratien in manchen Staaten sind einige zu erwähnende Problemen...

An dem Tag, an dem wir AfrikanerInnen nicht zuerst an unseren Bäuchen denken wollen, wird es Afrika besser gehen.  Sobald wir über unsere Probleme  ehrlich und seriös  nachzudenken beginnen werden, statt auf Europäer zu warten die uns unsere Probleme erklären werden wir schon fortgeschritten sein. Ich lebe in Lagos und brauche keinen Fremden der kommt um mich meine Gesellschaft erklärt. Ich weiß was Armut ist. Ich lebe in einer Umgebung wo viele elternlose  Kinder wohnen, wo es keine soziale Versicherung gibt, wo Frauen sowie Männer viele Probleme haben. An dem Tag an dem wir auf uns AfrikanerInnen aufpassen werden, werden wir schon einen Schritt vorne gekommen sein.

Die Situation die Sie vor kurzem beschrieben haben, zwingt Jugendliche aus vielen Ländern Afrikas ihre Zukunft anderswo in Europa, USA und sogar in Asien zu gestalten. was sagen Sie zu diesem Phänomen?

Tausende sterben und trotzdem wollen Sie für ihre Zukunft kämpfen. Unsere Staaten gaben dieser Jugend keine Chance. Ein junger Mensch ist voller Träume und will sie mit allen Mitteln erreichen. Es ist überall auf dieser Erde so, dass Jugendliche für Ihre Träume kämpfen. Unsere Politiker haben für die heutige Jugend nichts unternommen. In den 50er und 60er wollten Kwame Krumah und Patrice Lumumba eine politisch selbstbewusste Afrika mit Panafrikanismus aufbauen. Was wollten viele andere politische Führer vieler anderen Länder? Sie träumten von Europa und Nord Amerika. Diese Regionen waren das Beispiel schlechthin für die afrikanischen politische Führungselite ... Die Konsequenzen sehen wir heute.

Viele afrikanische Staaten sind heute wirtschaftlich und politisch nicht mehr in Selbständigkeit überlebensfähig. Sie werden von der Entwicklungshilfe vorwiegend aus Europa und USA noch am Überleben erhalten. Wie betrachten Sie diese Situation als Nigerianer der in Lagos lebt?

Afrika soll lernen sich selbst zu  helfen. Es ist möglich. Entwicklungshilfe? Sehen Sie wie die USA dem Irak "geholfen" hat? Die USA töten Millionen von Irakern und schicken danach Medikamente zur Hilfe. Ist das wirklich Hilfe? Europa vergisst oft, dass Sie ohne die Kraft der ganzen schwarzen Sklaven heute nicht hier sein würden, wo Europa und Amerika heute sind. Die mehr als 10 Millionen Menschen haben für viele Firmen die heute weltweit agieren kostenlos jahrzehntelang gearbeitet. Noch etwas dazu: Die Afrikaner sollen (sogar müssen) beginnen sich selbst, oder andere AfrikanerInnen die etwas Positives geschafft haben zu schätzen. Nicht immer gegeneinander etwas unternehmen wäre schon viel! Die afrikanische Musik spielt weltweit eine große Rolle weil unsere Vorfahren, die Sklaven waren, diese Musik weitergespielt und weitergegeben haben bis heute....

Ich weiß, dass viele ehrliche Europäer gern nach Afrika kommen würden und dort investieren. Aber es hängt von den Afrikanern selbst ab, diese Europäer auszuwählen damit sie ehrlich kooperieren können.

Und die Situation in Lagos? oder in anderen afrikanischen Ländern?

Mein Bruder, es ist nicht einfach jeden Tag aufzustehen. Viele sind so arm, dass Sie seit Tagen nichts gegessen haben. Das Leben ist sehr hart. Jeder Staat soll sich bemühen um diese Primäre Probleme in Afrika zu bekämpfen. Gesundheit, Ernährung, und Bildung sind die Fundamente eines Stabilen Staates. In Lagos gibt es noch Orte wo es keine Elektrizität gibt...mehr als 40 Jahren nach der Unabhängigkeit. Ein Beispiel. Du arbeitest am Abend und plötzlich verschwindet das Licht.... Politisch hat sich die Situation nicht verändert: Bis heute werden in Nigeria Regierungskritiker festgenommen oder ins Exil gezwungen.

Nehmen wir das Beispiel Mugabe in Simbabwe. Jahrelang hat dieser Mann seine eigene schwarze Bevölkerung mit der Unterstützung von Europäern unterdrückt. Europäer haben mitgespielt, weil sie ihre Interessen schützen wollen. Plötzlich sagt er sich, jetzt werde ich das Land, das den weißen Farmern gehört, teilen. Sofort beginnen Sanktionen weltweit über Simbabwe hereinzubrechen. Viele Europäer helfen uns nicht sondern nur sich selbst. Das war auch der Fall von Mobutu damals in Zaire, jetzige Demokratische Republik Kongo. Solange du gegen dein Volk bist hast du Verbündete in Europa. Sobald du beginnst zu begreifen und versuchst eine richtige Politik für dein Land zu gestalten...dann wandeln sich die Verbündete an Feinde. Togo ist der aktuellste Fall.

Kann kulturelles Show Business wie in den 90er Jahren mit Aid for Ethiopia (We are the world) und andere Humanitäre Konzerte Afrika wirklich helfen? 

Malaria tötet mehrere Millionen von Menschen. Ich höre immer spenden Sie für die Armen. Viele Spenden aber Afrika wird ärmer. Wie können wir diese Mathematik verstehen? Der größte Skandal war das Beispiel von Äthiopien, das Sie erwähnt haben. Mein Bruder, bis heute sind die Äthiopier zufrieden? We are the world ...we are the children war für Äthiopier ein Flop und für die Organisatoren (weiße wie schwarze) ein großes Geschäft. Bruder weißt du? In Afrika reden wir viel, sogar zuviel. Wir lügen uns selbst an und wissen nicht wohin wir wollen.

Wie können AfrikanerInnen in der Diaspora etwas für Ihr Land unternehmen und welchen Weg soll Afrika heute nehmen um aus den Problemen herauszukommen?

Die afrikanische Diaspora soll nur eines wissen: jeder soll in seinem Bereich hart arbeiten. Ihr seid hier zu kämpfen. Um die Situation wirklich zu verändern soll man sehr hart arbeiten, sich ausbilden und lernen, was Afrika braucht. Es wäre der Schlüssel...harte Arbeit.

Im Bezug auf Afrika, glaube ich, dass Afrika sich einigen soll. Sehen Sie rund um uns alle einigen sich, es entsteht Bündnisse die weltweit agieren - und Afrika? Wir haben begonnen und ich glaube wir müssen in vielen Ländern Afrikas noch lernen die freie Meinungsäußerung zu respektieren.  Unsere Gesellschaften müssen sich befreien um ihren Bürgern zu ermöglichen sich ausdrücken zu können ohne Furcht vor Festnahme oder ähnliches. Diese Qualität ist entscheidend für uns heutzutage.

 

FEMI KUTI HOMEPAGE

FELA KUTI PROJECT







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