Datum: 25.08.18 17:18
Kategorie: Kultur-Literatur

Von: Lisa Ndokwu

Joseph. Der schwarze Mozart. Roman von Jan Jacobs Mulder

www.unionsverlag.com

Ein neues Gesetz wird in Paris plakatiert. Alle Schwarzen müssen sich registrieren lassen. Beamte des Königs Ludwig XV. statten den Zugewanderten aus Afrika oder aus der Karibik Besuche ab, wenn sie sich nicht fristgerecht registrieren haben lassen. Die Bezahlung einer Geldstrafe kann den Aufenthalt in der Stadt der Aufklärung verlängern. Ansonsten werden sie in ihre Heimatländer rückgeführt. Einhundertneunundfünfzig Schwarze haben sich in Paris registrieren lassen.

Joseph Boulogne ist einer von ihnen. Er genießt den Ruf der beste Fechter von Paris zu sein. Vor allem ist er ein exzellenter Musiker, Komponist und Dirigent. Die Violine und das Hammerklavier sind seine bevorzugten Instrumente.  

Als Chevalier de Saint-George wird er von seinem adeligen Vater bei Hof eingeführt. Standesgemäß gekleidet weiß er um seine Wirkung auf die Damen der Gesellschaft. Charmant, eloquent und mitunter forsch bewegt er sich im Land seines Vaters. Seine Mutter stammt aus Guadeloupe. Vor Josephs Geburt war sie Sklavin auf einer der Plantagen des Vaters. 

Die spektakuläre Geschichte von Joseph Boulogne ist ein historischer Stoff, der aktueller denn je ist. Vor dem Hintergrund der Aufklärung und der französischen Revolution erzählt Jan Jacob Mulder von Ausbeutung, Ausgrenzung und Rassismus. Virtuos, wie sein Protagonist, komponiert er seine Geschichte zwischen den Moll-Tönen der Realität und den Dur-Tönen der Fiktion. Entstanden ist ein Epos der Hoffnung und der Entschleierung. 

Die musikalische Begabung von Joseph Boulogne hat ihm Freundschaften mit namhaften Größen seiner Zeit, wie Christoph Willibald Gluck, Johann Stamitz und Joseph Haydn eingebracht. Mozart ließ sich von seinen Kompositionen inspirieren. Seine Konzerte führten ihn bis nach England. Er leitete Orchester und war Mitglied in einer Freimaurerloge. Und dennoch blieb er der Fremde, der in entscheidenden Momenten seiner Karriere nicht zum Zug kam. Weil es dann doch Stimmen gab, die sich gegen sein Aussehen aussprachen. 

Vor dem Hintergrund dieser historischen Rahmenbedingungen, entwickelt der Autor Jan Jacob Mulder eine einzigartige fiktive Geschichte, die das Leben von Joseph Boulogne als Odyssee inszeniert. Der Held kommt von einer Insel übers Meer. In Paris erliegt er sämtlichen Versuchungen, die diese Stadt zu bieten hat. Aber er führt auch ein angesehenes Leben als Musiker und Nachkomme eines Adeligen. Sein Engagement im Kampf gegen die Sklaverei ist bestimmt vom Leid seiner Mutter. Seine Rache ist grenzenlos und führt ihn schließlich wieder zurück nach Guadeloupe.

Die Frage nach dem Identitätskonflikt wird vom Autor vordergründig vermieden. Für Joseph ist der Begriff Heimat eine Frage der Verantwortlichkeit gegenüber seinen Eltern, seinen Freunden und denen, die es noch werden könnten. Dass die Welt mitunter grausam ist, lässt ihn nicht verstummen. 

Als Gründer der Societé des Amis des Noirs bleibt Joseph Boulogne bis zu seinem Lebensende ein Kämpfer für die Abschaffung der Sklaverei. Denis Diderot ist einer der wenigen Intellektuellen dieser Zeit, die öffentlich gegen die Sklaverei auftreten. Der Legende nach sind sich die beiden in einem Pariser Etablissement mehrmals begegnet. Ein überliefertes Zitat des Verfassers der Enzyklopädie hat nichts an Gültigkeit verloren: „Kein Mensch hat von Natur aus das Recht, über andere zu herrschen.“

So betrachtet ist „Joseph, der schwarze Mozart“ ein ermutigendes Buch für die Verzagten dieser Erde. 

Joseph. Der schwarze Mozart. Roman von Jan Jacobs Mulder. Aus dem Niederländischen von Ulrich Faure. Unionsverlag 2018. ISBN: 978-9-293-00535-8

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